Wolfgang Joop
Vier Buchstaben, ein Ausrufezeichen – damit wurde Wolfgang Joop weltberühmt. Doch wo Joop! drauf steht, ist längst nicht mehr Joop drin. Der Designer gab sein Mode- und Parfümimperium an Investoren ab und bekam dafür zig Millionen Euro. Eigentlich müsste Joop längst nicht mehr arbeiten – doch jetzt, mit 61 Jahren, feiert er ein unglaubliches Comeback. Er startet noch einmal eine Karriere als Modedesigner und wird gerade in New York, Paris und London als die Entdeckung des Jahres gefeiert. Seine neue Kollektion widmet er unserer Kanzlerin. Der Stil: Die neue Sachlichkeit. Bei „Beckmann“ spricht Wolfgang Joop über Schein und Sein deutscher Politiker und sagt, warum er Angela Merkel über alle Maße schätzt.
Als Hommage an die „neue Sachlichkeit“, so bezeichnet Wolfgang Joop seine jüngste Kollektion. „Das war ein Kunststil in der Zeit der Weimarer Republik, der den kühlen Blick auf den Großstädter lenken sollte. Man stellt ihn in sehr sachlichen, ausgeleuchteten Posen dar.“ Davon habe er sich inspirieren lassen: „Von dieser Zeit, die ja sehr großartig war in ihren Widersprüchlichkeiten, da muss mich irgendetwas von diesem Geist eingeholt haben.“
Seine neue Kollektion hat Wolfgang Joop Bundeskanzlerin Angela Merkel gewidmet. „Sie hat wirklich einen neuen Stil geprägt, den es so in der Weltpolitik noch nicht gegeben hat“, sagt der Modemacher. Er sei „sehr stolz auf diese Frau“, und von seinen zahlreichen Auslandsaufenthalten wisse er, dass „viele Menschen im Ausland sehr neidisch auf so eine Frau sind“. Die manchmal geäußerten Vorurteile gegenüber Angela Merkel kann Joop nicht nachvollziehen: „Wir können uns doch gar nicht vorstellen, wie dieser Mensch gelebt hat in der DDR. Dort war man dankbar, dass man studieren durfte – während wir als Studenten protestiert hatten. Wir können uns also gar kein Bild machen von dieser Person.“ Über die Politikergeneration von Gerhard Schröder oder Joschka Fischer zeigt Joop sich enttäuscht: „Diese Generation, die so unendlich für Freiheit, für Selbstverwirklichung und auch ein gewisses Risiko stand, hat schnell ihre Werte verkauft.“
Einen Seitenhieb gegen seinen Konkurrenten Karl Lagerfeld kann Joop sich nicht verkneifen. Bei „Beckmann“ stichelt er gegen dessen Diätkuren. „Wenn Leute das durchhalten, dann machen sie mir Angst. Ich finde, ehrlich gesagt, nichts unsexier als Männer, die über Diäten sprechen.“ Der 61-Jährige wundert sich, wie Lagerfeld trotz seiner Hungerkur noch arbeiten konnte: „Das wäre für mich ein Hauptjob, mich zu halbieren. Dann hätte ich für überhaupt nichts anderes mehr Zeit.“ Für Wolfgang Joop kein lebenswertes Ziel: „Es gehört zu einem gewissen Elitetum, dass man noch dick und alt werden darf auf dieser Welt.“
