Vicco von Bülow alias Loriot


Sein Humor ist unerreicht: Vicco von Bülow alias Loriot gilt als Grandseigneur der deutschen Fernsehunterhaltung. Mit seinen Werken hat der Humorist und Karikaturist Geschichte geschrieben. 1967 feierte er seinen Durchbruch mit der Sendereihe „Cartoon“, in den 70er Jahren schuf er Klassiker wie „Die Steinlaus“, „Das Jodel-Diplom“ oder „Lottogewinner Erwin Lindemann“, und in den 80ern gelang ihm mit „Ödipussi“ einer der erfolgreichsten deutschen Kinofilme aller Zeiten.

Bei „Beckmann“ blickt Vicco von Bülow zurück auf seine einzigartige Karriere. In einem kurz zuvor aktuell aufgezeichneten Gespräch mit Reinhold Beckmann äußert er sich zum überraschenden Tod von Evelyn Hamann, die in der Nacht zum 29. Oktober im Alter von 65 Jahren verstarb, wie folgt:


„Gestern nacht hat uns Evelyn Hamann verlassen.

Es fällt mir schwer, Worte zu finden für meine Trauer.

Mit Evelyn habe ich eine treue Partnerin –

und wir alle eine wunderbare Schauspielerin verloren, der es immer gelang, die heiklen Seiten des Lebens durch Komik zu überwinden.

Liebe Evelyn, Dein Timing war immer perfekt,

nur heute hast Du die Reihenfolge nicht eingehalten. Na warte...“
 

Lange Jahre bildeten Evelyn Hamann und Loriot ein kongeniales Paar im deutschen Fernsehen. Eigentlich hatte er in den 1970er Jahren eine „typische deutsche Hausfrau“ als Sketchpartnerin gesucht: „Schön rundlich, mit kleinen Löckchen, nicht zu groß und blond“ sollte sie sein. Gefunden hat er schließlich mit Evelyn Hamann das genaue Gegenteil. Von Anfang an war Loriot von der Wandlungsfähigkeit der damaligen Theaterschauspielerin begeistert: „Ich merkte, dass man aus Evelyn alles machen konnte.“ Auf dem Bildschirm wirkten beide so perfekt aufeinander eingespielt, dass die TV-Zuschauer glaubten, sie seien im wirklichen Leben ein Paar. Loriot sieht den Grund dafür im vermeintlichen „Wahrheitswert“ des Fernsehens. „Was man dort sieht, hält man mindestens für wahrscheinlich.“

Als Kunststudent verdiente Vicco von Bülow 1949 das erste Mal Geld mit seinen Arbeiten. Auf einer Party sei er gebeten worden, „lustige“ Zeichnungen für den „Stern“ anzufertigen. Zunächst war er entrüstet: „Der Schüler einer Kunstakademie soll eine Witzzeichnung machen – und dafür Geld nehmen?! Ich dachte nein. Am nächsten Morgen dachte ich, machst du es mal aus Quatsch, und kriegte 75 deutsche Mark für drei Zeichnungen. Das war ungeheuer viel Geld. Dabei blieb es dann nicht, sondern es hat sich fortgesetzt.“

Heute zählt Loriot zu Deutschlands beliebtesten Komödianten aller Zeiten. Über Jahrzehnte hat er mit seiner Komik, seinen Cartoons und seinen Filmen mehrere Generationen zum Lachen gebracht. Auch mit 83 Jahren verfolgt er genau, wie sich das Fernsehen entwickelt hat: „Heute sind alle lockerer, lustiger, selbstverständlicher, gut angezogen. Sie passen in dieses moderne, schnelle, hübsche Leben.“