Veronica Ferres und Jutta Fleck
Jutta Fleck (ehemals Jutta Gallus) wurde in den 80er Jahren als „Frau vom Checkpoint Charlie“ bekannt. Weltweit sorgte ihr Schicksal für Schlagzeilen. Nach einem gescheiterten Fluchtversuch aus der DDR kamen ihre elf und neun Jahre alten Töchter Claudia und Beate ins Heim und sie selbst ins berüchtigte Frauengefängnis Hoheneck. Als die Bundesrepublik Jutta Fleck nach zwei Jahren aus der Haft freikaufte, mussten ihre Kinder in der DDR bleiben. Vier Jahre lang kämpfte sie vom Westen aus unermüdlich um ihre Töchter. Bei Wind und Wetter demonstrierte sie am Berliner Grenzübergang Checkpoint Charlie mit dem Plakat: „Gebt mir meine Kinder zurück!“ Bei der KSZE-Konferenz in Helsinki 1985 kettete sie sich an und schaffte es schließlich, Außenminister Genscher zu treffen. Erst im August 1988 gab die DDR-Führung nach – nach sechs Jahren konnte Jutta Fleck ihre Töchter endlich wieder in die Arme schließen. Jetzt spielt Veronica Ferres die Hauptrolle im bewegenden ARD-Zweiteiler „Die Frau vom Checkpoint Charlie“, der Jutta Flecks Kampf für die Menschenrechte schildert. Bei „Beckmann“ sprechen die beiden außergewöhnlichen Frauen über die einzigartige Kraft der Mutterliebe und über ihren Freiheitsdrang.
Mit Respekt und ehrlicher Bewunderung begegnet Ferres der Frau, deren Leben und Kampf als Vorlage für den Film dient: „Ich weiß nicht, ob ich das geschafft hätte, diese Art von Demütigung und Entwürdigung auszuhalten. Vielleicht. Jutta sagt immer: ‚Das hättest du geschafft, weil die Mutterliebe ist so groß.’ Ich glaube aber, dass ich dünnhäutiger bin und nicht diesen Schutzmantel habe, den sie hat. Da ziehe ich den Hut vor.“
Jutta Fleck wird die Schikanen und die Willkür nie vergessen. „Das ist ein einschneidendes Erlebnis gewesen, das behalte ich bis zum Lebensende. Das war ja wie eine innere Vergewaltigung.“ Trotz allem: Jutta Fleck hat ihren Glauben an die Menschen nicht verloren. „Ich bin ein sehr positiv denkender Mensch und möchte mir das auch nicht nehmen lassen. Ich habe großes Vertrauen in die Menschen.“
Auch Veronica Ferres lebt ganz und gar für ihre Familie. Bis heute vermisst sie ihre vor sieben Jahre verstorbene Mutter: „Sie fehlt mir jeden Tag.“ Trost findet sie heute in dem Gedanken, dass sie bis zuletzt – trotz aller Termine und Berufsstress – immer für ihre Mutter da war und sie gepflegt hat. Ferres: „Ich habe meine Mutter begleitet in den Tod. Und das ist heute oft unendlich tröstlich.“
Nach Ansicht der Schauspielerin sollten Menschen in Würde altern dürfen. „Ich könnte mir nie vorstellen, dass ich meinen Seelenfrieden finden könnte, wenn ich meinen Vater irgendwann in ein Heim gebe. Mein Vater weiß das auch.“ Beide haben eine enge Beziehung zueinander: „So wichtig, wie er noch auf die Kindererziehung unserer Tochter eingreift oder mir beruflich Ratschläge gibt oder beim Umzug so sehr in mein Leben integriert ist, so sehr werde ich auch immer ein Bestandteil seines Lebens bleiben. Wir haben sowieso eine ganz spezielle Bindung.“
Der Fernsehstar weiß, wie schwierig es im Alltag sein kann, Verantwortung für die eigenen Eltern zu übernehmen. „Ich verstehe alle, die sagen: ‚Das belastet das Familienleben so sehr’ oder ‚Wie schaffe ich das, meinen Beruf noch zu organisieren, wie soll das funktionieren?’“ Doch Ferres ist überzeugt, dass es sich lohnt, für die Eltern zu sorgen. „Ich weiß auch nicht, wie das bei uns funktionieren wird. Aber es wird einen Weg geben. Wenn man will, kann man immer eine Lösung finden!“

