Ulrich Wickert


15 Jahre lang war er „Mr. Tagesthemen“. Bis heute steht Ulrich Wickert bei Millionen Fernsehzuschauern für Seriosität und Ehrlichkeit. In seinen Bestsellern kritisiert er seit Jahren den Werteverfall in der Gesellschaft und fordert eine neue Aufrichtigkeit – auch und besonders von den Parteien. Außerdem zu Gast: Thea Dorn, die zu Deutschlands erfolgreichsten Krimiautorinnen zählt und über das Schreiben hinaus zahlreiche Talente besitzt: Bereits während der Schulzeit begann sie eine klassische Gesangsausbildung, studierte nach dem Abitur Philosophie und Theaterwissenschaften, unterrichtete an der Freien Universität Berlin Moralphilosophie und glänzt heute auch als Moderatorin von Kultursendungen. Bei „Beckmann“ sprechen Thea Dorn und Ulrich Wickert über Moral, über Vertrauen und über Glaubwürdigkeit in der Politik.

Ulrich Wickert ist überzeugt, „dass Politik und Wahrheit nicht zusammen passen“. Das beste Beispiel sei der Irak-Krieg, „die größte Lüge, die überhaupt passiert ist, Amerikaner und Briten haben mit Hilfe der Italiener einen Krieg mit Fakten begründet, die nicht stimmten“.

Ganz Deutschland diskutiert seit Wochen den SPD-Schlingerkurs gegenüber der Linkspartei. Haben die Sozialdemokraten für die Macht in Hessen zu hoch gepokert und ihr Vertrauen bei den Wählern aufs Spiel gesetzt? „Als Landespolitiker“ halte er persönlich den SPD-Chef für „eine ehrliche Haut“, sagt Wickert, allerdings: „Glaubwürdigkeit bedeutet Ehrlichkeit, die dazu führt, dass der Wähler weiß, woran er ist.“

Thea Dorn sieht eine fatale Entwicklung bei vielen Politikern: „Lass dich nie auf etwas so festnageln, dass man sich anschließend daran erinnern könnte“, laute anscheinend das neue Credo der Parteien. Dorn fürchtet diese für sie „etwas besorgniserregende Entwicklung“. Sie glaube, dass diese Einstellung „irgendwann an die demokratische Substanz in der Gesellschaft und im Staat“ gehe.

Die Philosphin kritisiert darüber hinaus, dass Wahlkämpfe heute immer mehr Werbekampagnen gleichen würden: „Natürlich haben wir uns als Konsumenten einen gewissen Verbraucherzynismus zugelegt und glauben nicht mehr alles, was die Werbung sagt. Wenn aber Wahlkämpfe den gleichen Charakter kriegen, wird es einfach zum Problem.“

Thea Dorn glaubt, dass es in Deutschland „eine Sehnsucht nach Figuren gibt, denen man moralische Integrität und Rückgrat“ zutraue. Deshalb sei sie von der Entscheidung der hessischen SPD-Landtagsabgeordneten Dagmar Metzger „beeindruckt“ gewesen.

Auch Ulrich Wickert wünscht sich mehr Aufrichtigkeit in der Politik und lobt den Mut von Bundesfinanzminister Peer Steinbrück. „Er sagt, dass wir das Geld der nächsten Generation nicht ausgeben dürfen. Damit sagt er etwas Unpopuläres – und das finde ich großartig!“