Ulrich Wickert und Tom Buhrow


Thronwechsel in der Königsdisziplin des Fernsehens: Wie kaum ein anderer hat „Tagesthemen“-Anchorman Ulrich Wickert die deutschen TV-Nachrichten geprägt. Nach 15 Jahren hat der 63-Jährige jetzt Adieu gesagt und das Zepter an seinen Nachfolger Tom Buhrow übergeben. Für den 47 Jahre alten Vollblutjournalisten Buhrow erfüllt sich damit ein großer Traum.
Auch wenn sie beruflich vieles verbindet – gegensätzlicher könnten der alte und der neue Anchorman kaum wirken: Hier der verschmitzt lächelnde Bonvivant Wickert, dort der stets fröhliche Rheinländer Buhrow. Bei „Beckmann“ sprechen beide über die Herausforderung, für Millionen Fernsehzuschauer „Mr. Tagesthemen“ zu sein. Der neue Anchorman Tom Buhrow setzt auf Altbewährtes. „Ich habe hin und her probiert: Mal habe ich gestanden, mal auf Ulrich Wickerts Stuhl gesessen.“ Schließlich habe er sich jedoch aus rein praktischen Gründen für Hajo Friedrichs’ Stuhl aus dem NDR-Fundus entschieden. Wickerts Stuhl sei einfach zu groß für ihn gewesen, verrät der 47-Jährige bei „Beckmann“. Auch wenn Buhrow in der Frage der Platzwahl keinerlei Symbolcharakter sehen will – Friedrichs’ journalistische Prinzipien seien trotzdem oft ein „guter, sehr hilfreicher Kompass“ für ihn gewesen: „Ich empfinde mich als Informationslieferant“, beschreibt Buhrow seine Berufsauffassung.

Hat Ulrich Wickert seinem Nachfolger etwas hinterlassen? „Müll“, schmunzelt der Ex-Anchorman. „Und einige Bücher habe ich ihm dagelassen, aber nicht so viele. Er hätte gern ein paar mehr gehabt.“ Buhrow hätte vor allem gerne eine große Lexikareihe behalten, aber die sei Wickerts persönliches Eigentum gewesen. Er habe alle Bände mitgenommen, bedauert Buhrow und flachst: „Die kostet ja viel Geld – ich muss mal kucken, ob ich das dem NDR wert bin.“ Nach seinem Abschied empfindet Ulrich Wickert keine Angst vor Langeweile: „Ich kann mich sehr gut langweilen. Drei Tage langweilen, das ist etwas Wunderbares. Aber dann fällt mir schon etwas ein. Ich schreibe nicht Bücher, weil ich muss, sondern weil es mir Spaß macht, richtig Spaß.“