Udo Jürgens
Er ist der erfolgreichste deutschsprachige Komponist aller Zeiten. Mehr als 70 Millionen Tonträger hat Udo Jürgens während seiner Karriere verkauft, bis heute zählt er zu Deutschlands größten Entertainern. Vor zwei Jahren verriet er sein bestgehütetes Geheimnis: Bereits 1999 hatte Jürgens heimlich geheiratet. Jetzt hat er ein Jahr voller Licht und Schatten hinter sich: Auf seiner Deutschlandtournee wurde er von Fans und Kritikern bejubelt wie nie zuvor, doch privat musste er schwere Zeiten durchstehen. Erst verstarb sein älterer Bruder John, wenig später folgte das Aus seiner Ehe. Bei „Beckmann“ spricht Udo Jürgens erstmals in einer Talksendung über die Hochs und Tiefs der vergangenen Monate.
Durch den Tod seines Bruders denkt der Entertainer häufiger über das Leben nach. „Man weiß, dass der große Abschied bevorsteht. Und dass man in eine Generationsliga hineingekommen ist, in der man nicht mehr die große Zukunft hat, sondern in der das Wort Gegenwart wirklich seine volle Bedeutung hat. Es ist relativ normal, dass jeder Mensch den Tod seiner Eltern erlebt. Der Tod des Bruders ist aber ein Angriff auf die eigene Existenz.“ In diesem Moment habe er gespürt: „Aha, jetzt sind wir dran“, so Jürgens.
Tröstlich ist für ihn, dass er von John noch persönlich Abschied nehmen konnte. „Ich bin Gott sei Dank am Ende bei ihm gewesen. Er hat mich noch erkannt, das war schon schwer. Ich muss ganz ehrlich sagen, das war eine neue Erfahrung im Leben, aber auch damit muss man lernen umzugehen.“ Der Sänger will offen mit seinen Gefühlen umgehen: „Ich glaube, dass das Nachdenken und darüber Sprechen im Grunde nicht nur ein trauriger Anlass ist, sondern es ist gelebtes Leben – und wir müssen uns dem Leben stellen.“
Trotz aller Trauer empfinde er seine jetzige Lebensphase als spannend und bereichernd. „Jetzt ist die schönste Zeit meines Lebens. Ich habe die spannende Erfahrung gemacht, dass sich nicht alles zum Negativen wendet, wenn man älter wird. Es ist eine spannende Phase, sein eigenes Älterwerden zu erleben. Das kann ich tröstend den Jüngeren zurufen.“
An eine Abschiedstournee denkt Jürgens noch lange nicht: „Wenn ich mich so fühle wie jetzt, werde ich weiterspielen. Ich möchte am Klavier sitzen und älter und älter werden. Das ist der Platz in meinem Leben, wo ich hingehöre.“
