Thomas Reiter


So lange wie er war noch kein Europäer im All. Fünf Jahre lang hatte sich Thomas Reiter auf seine Weltraummission vorbereitet, dann vergingen die 171 Tage auf der internationalen Raumstation ISS wie im Fluge. Dennoch hat er jede einzelne Sekunde genossen. Vor einem halben Jahr ist der deutsche Astronaut zur Erde zurückgekehrt und hat seitdem kaum Zeit gefunden, die überwältigenden Eindrücke zu verarbeiten. Jetzt ist er zum ersten Mal nach seiner Rückkehr Gast in einer Talksendung. Bei „Beckmann“ erzählt er von seinen faszinierenden Erlebnissen in der Schwerelosigkeit.

Wenn Reiter auf seine Mission zurückblickt, spricht er von einzigartigen Empfindungen: „Man ist von der Schönheit der Erde begeistert.“ Vom All aus gesehen habe jeder Kontinent  eine ganz eigene Farbe, teilweise seien auch Landschaftsdetails mit bloßem Auge auszumachen: „Wenn man über den Regenwald fliegt, kann man die Schneisen, die durch die Rodungen entstanden sind, erkennen.“

Der Astronaut ist der Ansicht, dass es helfen würde, wenn mehr Menschen diesen Blick aus dem All auf die Erde werfen könnten. Gerade Politiker würden dann möglicherweise manches anders beurteilen. Dort oben wisse man: „Entscheidungen reichen nicht nur bis zum Horizont, sondern darüber hinaus.“

Der Tag im All gestaltete sich fast wie ein normaler Tag auf der Erde: Morgentoilette, Frühstück, Überprüfung der wichtigsten Geräte, Arbeit, Sport, erneut Arbeit, Abendessen, eine Stunde Freizeit, um 23 Uhr Bettruhe. Die Schwerelosigkeit beeindruckte Reiter am meisten: das Schlagen von Purzelbäumen, das „Fliegen“ durch den Raum. „Man drückt sich mit den Fingerspitzen ab und schwebt durch die ganze Station.“ Sehr erholsam war der Schlaf: „Ich habe noch nie so gut geschlafen wie in der Schwerelosigkeit.“