Susanne Osthoff und Patrick Leclercq
Vor einem Jahr sorgte Susanne Osthoff wochenlang für Schlagzeilen. 24 Tage verbrachte sie in irakischer Geiselhaft, 24 Tage durchlitt sie Todesängste. Doch nach der Freilassung entzog sich das Entführungsopfer allen Erwartungen und polarisierte mit seinen TV-Interviews ganz Deutschland. Manche sahen in Osthoff eine humanitäre Heldin, die sich leidenschaftlich für ihre Wahlheimat Irak engagierte, andere reagierten mit Unverständnis. Immer wieder neue Spekulationen entfachten eine der größten Mediendebatten des vergangenen Jahres. Lange Zeit hat Osthoff sich komplett aus der Öffentlichkeit zurückgezogen – bei „Beckmann“ spricht sie über die erlebten Anfeindungen, über ihr neues Leben und diskutiert zusammen mit ARD-Nahost-Korrespondent Patrick Leclercq die aktuelle Situation im Irak nach der Hinrichtung von Saddam Hussein.
Sowohl Patrick Leclercq als auch Susanne Osthoff finden den Zeitpunkt der Hinrichtung von Saddam Hussein am muslimischen Opfertag unpassend. „Die Auswirkung war verheerend. Ich habe mit vielen Arabern gesprochen, ihre Wut hat sich gepaart mit Trauer. Diese Menschen konnten einfach nicht verstehen, warum so weit provoziert wurde. Das Ansehen des Westens wurde dadurch beschädigt“, so Leclercq.
Nach der Entführung von Susanne Osthoff Ende 2005 war es Patrick Leclercq, dem die Geiselnehmer das Band mit ihren Forderungen zuspielten. „Es war abends, als mich mein Kollege aus Bagdad angerufen hat und mir sagte, es gebe ein Video.“ Zunächst hätten sie das Video überprüft, ob die Entführer ein Ultimatum gestellt haben, bevor sie dann sorgfältig die weiteren Schritte überlegt haben.
Nach der Befreiung sorgte Susanne Osthoffs Rückkehr in den Irak für einen Medienwirbel. Sie will damals allein aufgrund des Verhaltens des Auswärtigen Amtes kurzzeitig in den Irak zurückgekehrt sein, um dort bei einer Bank öffentliche Fördergelder abholen zu können. „Das Auswärtige Amt hat mich aufgefordert, das Ganze abzuwickeln – dass das Geld ausgezahlt wird, so schnell wie möglich“, so Osthoff.
„Die schnelle Rückkehr von Frau Osthoff in den Irak hielt ich damals für leichtsinnig“, sagt Patrick Leclercq. Doch überraschte ihn, wie schnell die Vorwürfe und Verdachtsmomente gegen Frau Osthoff auf dem Markt waren. Eine gezielte Lancierung von Gerüchten würde er nicht ausschließen. „Frau Osthoff hat Kontakte, die der BND nicht hat.“
Die Archäologin fühlt sich in Deutschland missverstanden. Derzeit wohne sie bei Freunden, „zwischen Kisten und Koffern“, wie sie erzählt. Die Suche einer eigenen Wohnung gestalte sich schwierig. Immer wieder stoße sie auf Vorbehalte. „Die Leute gehen erst einmal auf Abstand und nach kürzester Zeit bekommen sie Schweißperlen auf der Stirn.“
Susanne Osthoffs Liebe gehört dem Irak, auch wenn sie derzeit nicht dorthin zurückkehren will. Allerdings plane sie, demnächst Reisen in die arabische Welt anzubieten, für „Menschen, die sich wirklich ‚Arabia inside’ anschauen wollen.“ Ihnen wolle sie die Schönheit der Wüste zeigen.
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