Sonja Ziemann


Sie ist eine Ikone des deutschen Films und hat eine ganze Generation geprägt. Sonja Ziemann wurde in den 50er Jahren gefeiert wie später nur die Beatles: mit Fanclubs, Poststempeln und kreischenden Menschenmassen vor ihrem Hotel. Der Kinohit „Schwarzwaldmädel“ rührte 16 Millionen Zuschauerherzen, „Grün ist die Heide“ beglückte gar 21 Millionen Besucher. Ziemann gab Nachkriegsdeutschland Mut, Zuversicht und Zerstreuung. Sie und Filmpartner Rudolf Prack gelten bis heute als Deutschlands größtes Traumpaar. Aber Ziemann wollte mehr als Heimatfilme – sie wagte erfolgreich den Sprung ins Charakterfach und auf die Theaterbühnen.

Doch dann erlitt sie Schicksalsschläge wie kaum eine andere Schauspielerin: 1969 starb ihr zweiter Ehemann Marek Hlasko an einer Schlafmittelvergiftung, kurz darauf ihr einziges Kind. Später fand sie ein neues Glück an der Seite ihres dritten Ehemannes, dem Schauspielkollegen Charles Regnier. Jetzt ist sie erstmals wieder Gast in einer Talksendung. Bei „Beckmann“ spricht Sonja Ziemann über ihre großen Filmerfolge, über ihre Freundschaft zu Hildegard Knef und Georg Thomalla und schildert zum ersten Mal die dramatischen Schicksalsschläge, die sie Leben meistern musste.

Sonja Ziemann wurde 1926 in Berlin geboren – dort begann auch ihre Karriere. Auf der UFA-Schauspielschule besuchte sie dieselbe Klasse wie Hildegard Knef. „Sie sah faszinierend aus mit ihren grünen Augen und blonden Haaren“, erinnert sich Sonja Ziemann an das erste Zusammentreffen mit der Knef. „Wir sind auf Anhieb sehr gut miteinander klargekommen.“ Daraus habe sich eine Freundschaft entwickelt, was eher ungewöhnlich gewesen sei: „Es gab sonst keine große Freundschaften in dieser Akademie. Wir aber haben uns bis zu ihrem Tod immer wieder gesehen.“

Die gesamte Männerwelt lag ihr zu Füßen – und auch der große Georg Thomalla konnte sich Ziemanns Charme nicht entziehen und machte ihr einen Heiratsantrag. „Ich hätte schon gewollt“, bekennt Sonja Ziemann bei „Beckmann“. „Es war wirklich Liebe!“ Sie habe Thomallas Antrag aber abgelehnt: „Es waren immer so viele schöne Mädchen in ihn verliebt! Und ich sah dann auch, dass er auf andere schaute, und da dachte ich: Der wird mir wahrscheinlich nie treu sein, zum Heiraten ist er nicht der Richtige.“ Trotzdem sei Thomalla bis zu seinem Tod einer ihrer wichtigsten Freunde geblieben.

1969 starb Sonja Ziemanns zweiter Ehemann, der polnische Schriftsteller und Drehbuchautor Marek Hlasko an einer Überdosis Schlaftabletten. „Er war schwer tablettensüchtig“, erinnert sich Ziemann. Und als nur sieben Monate später ihr einziger Sohn Pierre im Alter von 16 an einer Atemlähmung starb, habe sie selbst an den Tod gedacht: „Die Frage war: Weitermachen oder gar nicht mehr.“ Bis heute fällt es ihr schwer, über die damalige schwere Lebensphase zu sprechen. „Der Tod meines Sohnes war der absolute Bruch in meinem Leben.“ Sicherlich war das der Auslöser, dass der Filmstar – wie ihr zweiter Ehemann – selbst auch tablettensüchtig wurde. „Ich habe 30 Jahre lang Schlaftabletten genommen“, offenbart Ziemann bei „Beckmann“.

1989 heiratete Ziemann ihren Schauspielkollegen Charles Regnier, das späte Glück gab ihr wieder Auftrieb. Er sei es auch gewesen, der sie von ihrer Sucht befreit habe: „Mein Mann hatte sich vorgenommen, mich von meiner Sucht zu befreien. Er sagte: ‚Ich bin älter als du, und wenn ich mal nicht mehr da bin, dann ist niemand da, der dir helfen kann. Du musst es jetzt schaffen!’“ Nach einigen Klinikaufenthalten sei ihr der Entzug schließlich gelungen. Mit Charles Regnier, schwärmt Sonja Ziemann, hatte sie ihre „ganz große Liebe“ gefunden: „Er war so ein feinsinniger Mensch, er hatte soviel Humor. Er hatte sich eine gewisse Kindlichkeit bewahrt, die er auch voll zum Ausdruck brachte und die so erfrischend wirkte.“ Charles Regnier starb 2001, doch Sonja Ziemann zieht ihre Kraft auch heute noch aus dieser Liebe: „Er ist immer noch präsent.“