Sigmar Gabriel und Ranga Yogeshwar
Killer-Orkane, Rekord-Temperaturen, Jahrhundert-Fluten – das Klima spielt verrückt und scheint immer extremere Kapriolen zu schlagen. Steuert die Welt sehenden Auges in die Klimakatastrophe? Gerade hat der UNO-Klimarat ein Schreckensszenario prognostiziert: In den kommenden hundert Jahren steige die Erderwärmung gravierend an, es drohen Hitzewellen, Dürreperioden und Überschwemmungen. Bereits vor Jahren hat der Wissenschaftler und TV-Journalist Ranga Yogeshwar vor den fatalen Folgen des Treibhauseffekts gewarnt. Bei „Beckmann“ diskutiert er mit Bundesumweltminister Sigmar Gabriel, was jetzt jeder Einzelne konkret dagegen tun kann. Sigmar Gabriel ist zur Sendung mit dem Zug angereist, weniger aus Umweltgründen, sondern um rechtzeitig vor Ort zu sein, wie er sagt. „Da ist man pünktlich und hat nicht so viele Probleme auf der Autobahn.“ Ranga Yogeshwar ist aus Termingründen nach Hamburg geflogen – und äußert bei „Beckmann“ ein schlechtes Gewissen: „Dadurch wird schon eine Menge CO2 in die Luft gesetzt.“ Yogeshwar setzt in der Klimaschutzdebatte auf das Umdenken der Verbraucher. Man müsse bei den Konsumenten ein ökologisches Bewusstsein schaffen. Er fände es geradezu aberwitzig, so der Wissenschaftsjournalist, dass Menschen sich für den Stadtverkehr einen Geländewagen zulegen. Theoretisch, so Yogeshwar, gäbe es das 1-Liter-Auto. Doch die Gesellschaft würde die Menschen dazu erziehen, Geländewagen zu kaufen. „Man muss es schaffen, dass das Auto nicht mehr als Statussymbol angesehen wird.“
Nach Meinung von Yogeshwar sollte die Gesetzgebung künftig konsequenter sein. Dienstwagen, die mehr als sieben Liter verbrauchen, sollten nicht mehr steuerlich absetzbar sein. Nur so würde sich das Verhalten der Bevölkerung ändern. Auch Sigmar Gabriel hält dies für sinnvoll. Doch könne man nicht immer nur den Verbraucher zahlen lassen. Die Autoindustrie müsse entsprechende Alternativangebote schaffen, „dann hätte der Konsument die Möglichkeit zu wählen“.
Yogeshwar hält ein sofortiges Handeln für notwendig. Es habe zwar auch in der Vergangenheit immer wieder erschreckende Klimaprognosen gegeben, jedoch sei es jetzt eindeutig, dass die Klimaveränderung durch die Menschheit verursacht wird. Die Zeit der Diagnostik sei abgeschlossen – jetzt gehe es um die Therapie, so der Journalist.
Bundesumweltminister Gabriel hält die derzeitigen Energiespar-Appelle für richtig, allerdings zielten sie womöglich am eigentlichen Problem vorbei: „Wenn wir das immer nur machen, um dem eigentlichen Konflikt, z. B. mit der Industrie, aus dem Weg zu gehen, dann finde ich, das ist feige.“


