Senait Mehari


Ihr Schicksal berührte Millionen Menschen. Monatelang stand Senait Mehari mit ihrer Biographie „Feuerherz“ ganz oben in den Bestsellerlisten. Im Alter von sechs Jahren war Senait Kindersoldatin im blutigen Unabhängigkeitskrieg zwischen Eritrea und Äthiopien. Vier Jahre lebte das Mädchen in einer Welt aus Krieg und Gewalt, bis sie endlich befreit wurde. Als ihr mittlerweile in Hamburg lebender Vater sie mit 13 nach Deutschland holt, kommt sie nicht mit ihm klar. Die Jugendliche läuft von zuhause weg. Allein auf sich gestellt, erfüllt sie sich schließlich ihren Traum – sie wird eine erfolgreiche Sängerin und Musikerin. Bei „Beckmann“ schildert Senait Mehari ihren Lebensweg.

Senait war sechs Jahre, als ihr Vater sie gemeinsam mit ihren Schwestern zum Rekrutierungsbüro der „Eritrean Liberation Front“  brachte. „Er hielt es für eine gute Sache, er war selbst ein Kämpfer. Damals war es selbstverständlich, dass man zur Rebellenarmee gegangen ist, weil man unzufrieden mit der Unterdrückung durch die äthiopische Herrschaft war. Das ändert aber nichts an der Tatsache, dass wir Kinder waren.“

Sie selbst musste nicht auf Menschen schießen, sie sei noch zu klein und zu schwach gewesen, erzählt Mehari bei „Beckmann“. Doch was ihre älteren Schwestern erlebt haben, weiß sie nicht. „Wir haben nie darüber gesprochen, vielleicht aus Schamgefühl oder aus Angst vor der Wahrheit.“

Warum werden Kinder zu Soldaten gemacht? „Kinder lernen schnell. Wenn ein Kind erstmal zur Kampfmaschine gemacht worden ist, dann ist es brutaler als ein erwachsener Mensch“, hat Mehari beobachtet.

In der Welt aus Krieg, Gewalt und Hunger versuchte Senait an positive Dinge zu denken.

„Ich war ein Heimkind und dann ein Jahr bei meinen Großeltern, die mir sehr viel gegeben haben: Hoffnung, Liebe, Glaube. An diese Momente habe ich gedacht, wenn es schlimmer wurde.“

Jahre später holte Meharis Vater seine Tochter nach Deutschland, er war mittlerweile nach Hamburg geflüchtet. Doch ihr Verhältnis war zerstört. „Er war sehr herrschsüchtig, und ich habe sehr darunter gelitten. Ich wusste, wenn ich nicht weglaufe, bringt er mich um.“  Zwei Jahre habe sie Deutsch gelernt, sich Bus- und Bahnverbindungen eingeprägt und versucht, ihre Rechte als minderjähriges Kind herauszufinden. „Ich habe Zeitungen ausgetragen, Geld verdient, und dann war der Stichtag da: Ich habe das Geld genommen und bin abgehauen.“

Wie hat Senait Mehari es geschafft, ihren eigenen Weg zu gehen? „Ich glaube ganz tief an Gott und seine Kraft. Dazu habe ich einen starken Willen und großen  Ehrgeiz.“ Jetzt freut sie sich auf ihr erstes Kind: „Es ist erstmal ein unglaublich großes Glück. Ein Kind braucht viel Zuneigung, und man muss ihm gut zuhören.“