Sabine Kuegler
Eine Kindheit im Urwald – was für viele ein Traum ist, war für Sabine Kuegler Realität. Millionen Leser waren fasziniert von der Geschichte des „Dschungelkinds“. Monatelang standen Kueglers Kindheitserinnerungen ganz oben in den Bestsellerlisten: Als Fünfjährige zog sie mit ihren Eltern und ihren Geschwistern in den indonesischen Urwald. Abgeschnitten von der Zivilisation, lebte sie beim Stamm der Fayos wie in der Steinzeit. Sie jagte mit Giftpfeilen Spinnen, ernährte sich von Schlangen und Würmern und badete neben Krokodilen. Dann der plötzliche Kulturschock: Mit 17 kommt sie auf ein Internat in die Schweiz und sieht sich erstmals in ihrem Leben einer „zivilisierten“ Umwelt ausgesetzt. Jetzt ist die 33-Jährige noch einmal nach West-Papua gereist. Bei „Beckmann“ spricht Sabine Kuegler erstmals über die Rückkehr in das Paradies ihrer Kindheit, über das Wiedersehen mit ihren alten Freunden – und berichtet von ihrem Leben zwischen zwei Welten.
„Drei Tage hat es gedauert, bis ich wieder in die Dorfgemeinschaft integriert war“, schildert Sabine Kuegler ihre Rückkehr zu den Fayos. Im Urwald erlebe man die Zeit völlig anders, sagt sie bei „Beckmann“. „Sie vergeht zehnmal langsamer als in Europa. Ich war überrascht, dass sich eigentlich nichts geändert hatte.“ Viele alte Freunde erkannte sie sofort wieder und begrüßte sie mit dem traditionellen Fayu-Gruß, dem Stirnreiben. Die Unterhaltung allerdings war anfänglich etwas umständlich, da sie kaum noch die Sprache der Fayu beherrschte und deswegen auf die Übersetzung des Vaters oder ihre Hände und ihre Füße zurückgreifen musste.
Es dauerte eine Zeitlang, bis Kuegler sich wieder an das Leben im Dschungel gewöhnte. „Man liegt da und weiß nicht, was man tun soll.“ Zwangsläufig setze man sich intensiv mit der eigenen Person auseinander, was ihr nicht leicht fiel. „Alle Erfahrungen, die ich verdrängt hatte, kamen wieder hoch.“
Das Leben zwischen zwei Welten fällt der heute 33-Jährigen sichtlich schwer. Bereits als sie mit 17 Jahren erstmals wieder nach Europa kam, habe sie lange Zeit gebraucht, um sich an die Zivilisation zu gewöhnen. „Ich habe die ersten anderthalb Jahre nur geheult. Bis heute fühle ich mich unsicher, wenn ich über die Straße gehe.“
Jetzt fühle sie, dass der Dschungel die wahre Heimat für sie ist. Das habe sie nach ihrem erneuten Abschied von den Fayos deutlich gespürt: „Ich wollte nicht weg. Ich stand am Flughafen und wollte sofort wieder zurück.“
