Reiner Calmund und Rudi Assauer
Der eine verkörpert den Ruhrpott wie kein zweiter, der andere ist die typisch rheinische Frohnatur. Doch trotz ihrer unterschiedlichen Temperamente haben die früheren Fußball-Manager Rudi Assauer und Reiner Calmund vieles gemeinsam: Beide haben sich aus einfachen Verhältnissen ganz nach oben gearbeitet, beide reden gerne Tacheles und haben ihre Vereine Schalke und Leverkusen entschlossen an die Spitze geführt. Seit dem Rückzug der Bundesliga-Urgesteine ist der Fußball um zwei wilde Kerle ärmer. Jetzt sind Rudi Assauer und Reiner Calmund erstmals zusammen in einer Talksendung und sprechen bei „Beckmann“ über ihr neues Leben und geben seltene Einblicke in ihr heutiges Seelenleben.
Fußball ist sein Leben – daran lässt Assauer auch nach seinem Abschied vom Verein im Mai 2006 keinen Zweifel. Knapp ein halbes Jahr habe er gebraucht, um seinen Ausstieg zu verarbeiten. Seine Frau Simone Thomalla, künftige Kommissarin im ARD-„Tatort“, habe ihn während dieser Zeit sehr unterstützt. Heute ist der ehemalige Manager von Schalke 04 als Experte gefragt und berät junge Fußballspieler. „Fußball hat mich ziemlich weit gebracht im Leben und jetzt versuche ich, jungen Leuten, die noch nicht so weit sind, zu helfen.“
Auch wenn er selbst streng erzogen wurde – Assauer erinnert sich gerne an seine Kindheit: „War’n herrliches Leben, obwohl es nichts gab.“ Nach dem Schulunterricht habe er schon als kleiner Junge begeistert Fußball gespielt.
Heute bedrückt den 63-Jährigen vor allem das Älterwerden. „Wenn man über so lange Zeit sehr fit war, ist es äußerst schwierig, das im Alter zu erhalten.“ Er müsse seinen Kreislauf regelmäßig beschäftigen, deshalb trainiere er täglich auf dem Laufband. Aber trotz all seiner Bemühungen „zwickt es und die Muskulatur verkrampft sich unglaublich“. Das ärgere ihn maßlos.
Nachdenklich wird Assauer, als er über seine Mutter spricht, die nach schwerer Krankheit schließlich verstarb. Er sei bereit gewesen, ihr Sterbehilfe zu leisten, erzählt er erstmals bei „Beckmann“. „Ich hätte es getan, ich hätte sie davon erlöst. Es war nichts mehr zu heilen, nichts mehr zu retten. Sie hat apathisch im Pflegeheim gelegen, es war eine Katastrophe. Ich konnte das schlecht mit ansehen.“ Am selben Tag, als er ein tödliches Medikament besorgen wollte, sei seine Mutter aus dem Bett gestürzt und habe sich einen Oberschenkelhalsbruch zugezogen, so Assauer weiter. Kurz nach dem Sturz sei seine Mutter dann verstorben.
Auch Reiner Calmund musste sich nach seinem Abschied von Bayer Leverkusen an einen geänderten Tagesablauf gewöhnen. Er stürzte sich schnell in diverse Projekte. Er sei ein „Unruhegeist“, sagt er und gibt zu, dass er ohne die vielen neuen Aktivitäten in ein großes Loch gefallen wäre. Selbstironisch bezeichnet er sich als „normalen Rentner“ und sagt: „Wir Rentner haben ja nie Zeit. Der Terminplan ist voll, aber der Druck ist nicht mehr da und es macht mir auch Spaß.“
Zum ersten Mal erzählt Calmund seine Familiengeschichte. Sein Vater Karl habe sich freiwillig bei der Fremdenlegion gemeldet, um die Familie ernähren zu können. „Er versuchte damit, es gab ja nicht viel Geld, uns über Wasser zu halten.“ Calmund selbst war damals noch ein kleiner Junge. „Mein Vater hat gesagt, Zack, da geht’s hin, wir müssen Geld verdienen, hier ist jetzt nichts zu holen, ich mach das. Es war sicherlich kein einfacher Entschluss. Ich würde so etwas nie machen.“ Er selbst sei ungefähr sechs Jahre alt gewesen, als sein Vater in Vietnam starb.
Jetzt will sich der schwergewichtige TV-Star zusammen mit seiner Frau erstmals auf die Suche nach dem Grab seines Vaters machen. „Ich habe mir gerade vorgenommen, im Winter da hin zu fahren. Ich kenne die Reihe, ich habe das alles schriftlich bekommen. Ich gehe davon aus, dass ich es dann da finde.“
Calmund vermutet, dass auch ein Schuss Abenteuergeist seinen Vater in die Fremdenlegion getrieben hat – „das hat er dann allerdings teuer bezahlen müssen.“ Ein bisschen Abenteurertum stecke auch in ihm selbst: „Ich bin ja auch so reiselustig. Mein Lieblingsjob war Schiffskoch – ich wollte immer reisen, kochen und essen. Das habe ich von ihm geerbt.“ Allerdings: Für das Abenteuer Fremdenlegion wäre ich nicht zu haben – dafür hänge zu sehr am Leben.“

