Petra Thorbrietz


Sie spricht offen über das, was die meisten verdrängen: das Thema Sterben. Vor drei Jahren starb Petra Thorbrietz’ Mann János an einer besonders aggressiven Form von Krebs. Zwischen Diagnose und Tod lagen nur 112 Tage – Tage voller Angst, Hoffnung und Liebe. Die 53-Jährige sieht sich in dieser Zeit mit der kühlen Routine des Gesundheitsbetriebs konfrontiert, erfährt aber auch viel menschliche Wärme durch engagierte Ärzte, Pfleger und Krankenschwestern. Bei „Beckmann“ schildert Petra Thorbrietz den Kampf um ein würdevolles Sterben.

Nachdem bei ihrem Mann die Diagnose Lungenkrebs gestellt wurde, seien sie sich sehr verlassen vorgekommen, erzählt Petra Thorbrietz: „Ich habe eigentlich erfahren, dass sich sehr viele Menschen sehr anstrengen und sehr bemühen – und trotzdem ist man so wahnsinnig alleine als Patient in so einer Maschinerie.“ Dem Ehepaar fiel es lange Zeit schwer, den tödlichen Krankheitsverlauf zu akzeptieren: „Wir haben erst ganz am Schluss gemerkt, dass mein Mann schon kurz vor dem Sterben ist. Wir haben immer noch gehofft: Die Ärzte wollen natürlich kämpfen, sie wollen einem Mut machen, sprechen von Monaten, vielleicht auch Jahren. Das ist natürlich sehr selten, aber man stürzt sich auf diese positive Hoffnung, weil man einfach leben will.“

Doch die Realität sah ganz anders aus, wie Thorbrietz schildert: „Mit Krebs geht man in der Regel in eine Tagesklinik, rückt da morgens an und ist bis nachmittags ununterbrochen unterwegs zu Blutabnahmen, Untersuchungen, Chemotherapie. Um fünf Uhr wird man rausgeschmissen und muss gucken, dass man irgendwie die Nacht übersteht, bis man morgens wieder dort auflaufen kann.“ Diese Nächte seien „oft unerträglich“ gewesen: „Nachts hat man niemanden, der einen betreut. Bei uns war das sehr schlimm, weil mein Mann sehr, sehr große Schmerzen, Angstzustände und Luftnot hatte. Wir haben immer nur gewartet, dass es endlich wieder Morgen wird.“

Nach etwas mehr als drei Monaten starb Petra Thorbrietz’ Mann János schließlich im Krankenhaus. Den Moment des Abschieds wird sie nie vergessen: „Er ist aufgewacht, als ich mitten in der Nacht das Zimmer betreten habe – obwohl er eigentlich gar nicht aufwachen konnte, weil er in einer leichten Narkose lag. Er war so voller Liebe und hat mich dermaßen angestrahlt – das war ein sehr zeitloser, liebender Moment.“