Peer Steinbrück
Vor wenigen Wochen wurde er erneut zum SPD-Vizevorsitzenden gewählt, in allen Umfragen steht Peer Steinbrück glänzend da. Der Bundesfinanzminister zählt zu Deutschlands derzeit populärsten Politikern. Die Wirtschaft brummt, die Steuereinnahmen sprudeln – und der Bundeshaushalt soll seiner Ansicht nach spätestens 2011 erstmals seit fast vier Jahrzehnten ausgeglichen sein. Bei „Beckmann“ gewährt Peer Steinbrück jetzt zum ersten Mal einen Einblick hinter die Fassade des kühlen Finanzpolitikers.
Sein Abitur absolvierte der gebürtige Hamburger im Alter von 21 Jahren, nachdem er einige Schwierigkeiten zu meistern hatte. In der Schule sei er ein „Kasper“ gewesen, sagt er selbst und gesteht: „Ich bin den Lehrern da deutlich auf den Senkel gegangen und habe saumäßige Zeugnisse gehabt.“ Steinbrück nimmt seine Schulzeit heute mit Humor: „Aber selbst nach einer solchen Schulkarriere kann man was werden.“
Als Student ist Peer Steinbrück dann in den 70er Jahren ins Visier des Verfassungsschutzes geraten. Zu Unrecht, wie er betont. Damals habe er in einer Kieler Wohngemeinschaft gelebt. „Vor uns wohnten offenbar mal sehr radikale Vertreter des damaligen SDS dort. Offenbar hatte der Verfassungsschutz den Eindruck, dass eine Frau bei uns untergekommen sei, die Mitglied der RAF gewesen sein soll. Und dann haben am 31. Mai 1972, morgens um 5:30 Uhr, 16 oder 17 Polizeibeamte unsere Wohnung gestürmt.“ Das Szenario sei brenzlig gewesen, so Steinbrück. „Wenn ihnen mit einer Heckler & Koch oder mit einer Schmeisser-Maschinenpistole auf den Bauch gezeigt wird – erkennbar von einem sehr jungen Polizisten, 17, 18, 19 Jahre alt von der Polizeischule Eutin, nachdem vorher ein Polizist in Hamburg erschossen worden ist –, dann ist das eine Situation, wo beide erkennbar nervös sind.“
Die Aktion und der Verdacht war für Steinbrück „schlicht und einfach Unsinn“. Trotzdem wurde er vier Jahre später für drei Monate arbeitslos. „Ich wollte ins Bauministerium, und da gab es eine Sicherheitsüberprüfung. Da wurde man von zwei Männern in grauen Mänteln oder Anzügen empfangen, so ein bisschen wie bei Kafka. Und die sagten nur: ‚Sie sind ein Sicherheitsrisiko für die Bundesrepublik Deutschland und Sie kriegen den Job nicht!“
Seitdem lehne er einen Überwachungsstaat strikt ab. Steinbrück hat „mitgekriegt, wie schnell sie in einem Vakuum landen können; in einem Raum, in dem sie sich nicht mehr orientieren können, in dem es keinen Ansprechpartner mehr gibt, in dem selbst ein Persilschein durch eine damals zuständige Staatsanwaltschaft ihnen nichts nützt.“
Deshalb gehe er zu Wolfgang Schäubles Überwachungsplänen auf „äußerste Distanz, vor allem in den öffentlichen Alarmsignalen, die, wie ich glaube, nur Nervosität auslösen“. Er selbst würde „nie auf ein Szenario zu sprechen kommen, das ich gar nicht belegen kann in seiner Wahrscheinlichkeit.“ Das habe er seinem Ministerkollegen bereits persönlich gesagt – und dies habe zu „einem kurzen Disput geführt“.

