Otto Schily und sein Bruder Konrad Schily


Sie sind das derzeit einzige Brüderpaar im deutschen Bundestag: der frühere SPD-Bundesinnenminister Otto Schily (75) und der FDP-Abgeordnete Konrad Schily (70). Beide waren schon als Heranwachsende politisch interessiert, doch zunächst findet nur einer den Weg in die aktive Politik: Otto Schily, Anwalt der linken Szene, wird Gründungsmitglied der Grünen und zieht mit ihnen 1983 in den Bundestag ein. Konrad Schily hat Medizin studiert und baut in den 80er Jahren Deutschlands erste Privat-Hochschule auf. Als Otto 1989 zu den Sozialdemokraten wechselt, hat Konrad gerade erst die SPD verlassen. Jetzt sind die ungleichen Brüder bei „Beckmann“ erstmals gemeinsam in einer Talksendung.

Trotz ihrer unterschiedlichen Lebenswege sprechen beide mit Hochachtung voneinander. „Er ist ein ganz Großer“, sagt Otto Schily über seinen „kleinen“ Bruder. „Er ist ein großer Arzt und weiß sehr viel – sehr viel mehr als ich.“ Der Jüngere gibt das Kompliment zurück. Otto sei immer ein Verfechter des deutschen Rechtssystems gewesen, weshalb er manche skeptischen Bermerkungen über Otto Schilys Werdegang nie nachvollziehen konnte. „Jeder in unserem Rechtssystem braucht einen Anwalt. Ich kann nicht versehen, wenn einer sagt: Er war der Anwalt der RAF und heute darf er kein Innenminister sein.“

Otto und Konrad Schily entstammen einer Anthroposophen-Familie. Beide sind geprägt durch ihre Kindheitserfahrungen im Nazi-Regime. Ihre Mutter nannte Hitler nur „den Verbrecher“, die Eltern mussten fürchten, aufgrund ihrer politischen Meinung angezeigt zu werden: „Wir hatten eine Hausgehilfin, die war vernarrt in Hitler. Wir mussten immer die Sorge haben, dass sie uns denunziert. Das wäre das Todesurteil gewesen.“ Bis heute hat Otto Schily die Hungerjahre nach Kriegsende nicht vergessen: „Die Nahrungsmittel wurden immer knapper, wir haben oft nur Unkraut und Kaffeesatz gegessen.“

Nach seiner langen politischen Karriere will der frühere SPD-Bundesinnenminister im kommenden Jahr aus dem Bundestag ausscheiden. Bei „Beckmann“ verrät Otto Schily seinen Lebentraum: „Ich wäre gerne Dirigent geworden. Aber mein Talent hat nicht gereicht.“ Die Entscheidung für den Anwaltsberuf sei letztlich eine reine „Vernunftentscheidung“ von ihm gewesen. Als Jugendlicher habe er Geige, Klavier und Cello gespielt, immer noch ist Musik die größte Leidenschaft des 75-Jährigen: „Das Schönste, was ich je gemacht habe, ist die Philharmonie der Nationen zu dirigieren. Das ist ein unglaubliches Gefühl.“