Norbert Blüm
Deutschland steckt in der Rentenkrise. Tag für Tag verunsichern neue Schlagzeilen die Nation. Eine Reformidee jagt die nächste, keiner blickt durch. Steht die deutsche Altersversorgung vor dem Bankrott? Dabei hatte doch Norbert Blüm 1986 garantiert: „Die Renten sind sicher!“ Selten hat ein politischer Satz so an Glaubwürdigkeit verloren wie diese Äußerung des damaligen Arbeits- und Sozialministers. Die künftigen Rentner sind alarmiert, die heutigen Rentner enttäuscht und wütend. Bei „Beckmann“ nimmt Norbert Blüm Stellung zur aktuellen Misere und sagt, warum er heute immer noch an seinen legendären Satz glaubt.
Der Ex-Bundesarbeitsminister Norbert Blüm vertritt die Ansicht, dass die gesetzliche Rentenversicherung immer noch die beste Altersversorgung darstellt und gegenüber der privaten zu bevorzugen sei. „Es gibt nichts Sichereres als unser Rentensystem. Die Rente ist bei Währungsreformen, im Krieg und bei Inflation gezahlt worden“, sagt der 70-Jährige bei „Beckmann“. Hingegen sei die private Versicherung „teurer und unsicherer“.
Was Blüm ärgert: Viele preisen die private Altersversorgung als Allheilmittel gegen die Probleme unseres Sozialsystems. „Die private Vorsorge wird ja nicht vom lieben Gott bezahlt – das kostet ja beides Geld. Vor ein paar Jahren waren zehn Lebensversicherungen in Gefahr, zahlungsunfähig zu werden. Da ist der Bund mit Steuergeldern eingesprungen. Da redet kein Mensch drüber.“
Die aktuelle Rentendiskussion bezeichnet Blüm mehrfach als „Kampagne, um den Versicherungsunternehmen Kunden zuzuführen“. Aus diesem Grund mache es ihn „wütend, wenn der Sozialstaat in Grund und Boden geredet“ werde. Insbesondere ging er mit den Medien hart ins Gericht: „Die Allianz ist der Gewinner der Kampagne“, meint Blüm sichtlich aufgebracht.
Der Ex-Arbeitsminister zeigt sich nach wie vor überzeugt, dass die gesetzliche Rente in voller Höhe gesichert werden könne. Bei „Beckmann“ sprach er sich für Lohnsteigerungen und Beitragserhöhungen aus: „Wenn die Löhne nicht steigen, kann auch die Rente nicht steigen.“ Und „natürlich“ müssten, so Blüm weiter, die Rentenbeiträge mehr als die heutigen 20 Prozent betragen. „Man fährt das System vor die Wand, wenn man Höchstgrenzen setzt.“ Auf Reinhold Beckmanns Einwurf, Blüm vertrete damit dieselben Positionen wie Oskar Lafontaine, erwiderte der CDU-Politiker: „Wo Lafontaine Recht hat, hat er Recht!“
Blüm wehrt sich gegen Politiker, die die Privatvorsorge „zum Lebensretter der Altersicherung“ machen wollen. „Das ist sie nicht für Geringverdiener, nicht für Arbeitslose, nicht für Kranke, nicht für Erwerbsunfähige! Und für die brauchen wir die gute alte Rentenversicherung. Ohne Solidarität gibt es keine Gesellschaft!“
