Miriam Meckel
Mit 31 Jahren war Miriam Meckel Deutschlands jüngste Professorin, zwei Jahre später bereits (parteilose) Regierungssprecherin in Nordrhein-Westfalen. Heute arbeitet sie als Kommunikationsberaterin. Bei „Beckmann“ spricht die Medien-Expertin über die Wahlkampfstrategien der Parteien und sagt, warum Politiker vermehrt auf Emotionen setzen.
Miriam Meckel sieht es als „ein Phänomen unserer Zeit, dass Wahlkämpfe zugespitzt werden, damit die Botschaften irgendwie durchdringen können in dem permanenten Grundrauschen, mit dem wir es in unserer Mediengesellschaft zu tun haben“. Auf diese Strategie habe Roland Koch in seinem Wahlkampf gesetzt – allerdings erfolglos. Hingegen habe Kochs Konkurrentin Andrea Ypsilanti „mit einer sehr starken Authentizität ihrer eigenen Persönlichkeit und mit sehr klaren inhaltlichen Botschaften“ einen Kontrapunkt gesetzt, was offensichtlich erfolgreich war.
Im niedersächsischen Wahlkampf wurde ausführlich über das Privatleben von Ministerpräsident Christian Wulff berichtet, Sachthemen fanden weniger Aufmerksamkeit. Ähnliches lasse sich derzeit in Frankreich und der Berichterstattung über Staatspräsident Sarkozy beobachten. Miriam Meckel nennt es „Politainment“, die Inszenierung einer Person. Zwar sei für den Bürger die menschliche Seite eines Politikers von großer Bedeutung, doch die Kehrseite von Sarkozys Strategie sei offensichtlich: „Bei ihm ist das eine Inszenierung, hinter der die politische Programmatik zurück tritt.“


