Maybrit Illner


Sie ist Deutschlands dienstälteste Polit-Talkerin und berüchtigt für ihre Berliner Schnauze. Wenn Politiker sich mal wieder hinter Parolen verstecken, spricht Maybrit Illner gerne Klartext und bringt Phrasen präzise auf den Punkt. Nach acht Jahren im Talkgeschäft kennt sie bestens alle Kniffe und Verklausulierungen. Jetzt entschlüsselt sie die gebräuchlichsten Worthülsen, nennt Tabuthemen deutscher Politiker und erklärt, warum die Mächtigen es öffentlich so gerne menscheln lassen.   

Maybrit Illner glaubt nicht, dass Gabriele Pauli mit ihrer Art der Politik und ihrer Selbstdarstellung einen Erfolg versprechenden Weg geht. Sie halte es für „hochinteressant“, dass jemand glaubt, dass „ein solches Maß von Quertreiberei in einer Partei wie der CSU tatsächlich erwünscht wäre“. Gerade bei Konservativen sei dieses Verhalten äußerst unklug, wenn man seine politischen Ziele umsetzen wolle. „Bei den Grünen kann man was werden, wenn man die Parteivorsitzenden anpieselt, ja. Aber bestimmt nicht in der CSU.“

Die TV-Moderatorin wundert sich, dass viele Politiker ihr Privatleben öffentlich machen. Besonders beliebt sei es, „Hobbys zu präsentieren, sich mit der Familie ablichten zu lassen“ oder das gerade erworbene Haustier zu zeigen.“

Nach Ansicht von Maybrit Illner ist der Politiker als Privatperson für die meisten Bürger eher uninteressant. „Sind ihre Wähler“, fragt sie Horst Seehofer und Gabriele Pauli, „scharf darauf, all diese Dinge aus ihrem Leben zu erfahren? Möchten die wissen, was ihre Hobbys sind? Möchten die wissen, mit welchen Tieren sie unterwegs sind? Möchten die wissen, mit welchen Frauen oder Männern sie sich treffen?“ Der Wähler wolle, dass Politiker „eine verantwortliche, kluge und nachvollziehbare Politik machen“, glaubt Illner. „Wozu also dann das Bedürfnis, sich irgendwie noch als Ganzkunstwerk zu präsentieren?“