Mathias Richling


Immer politisch, nie korrekt. Mathias Richling ist einer der bissigsten Polit-Kabarettisten Deutschlands. Der ARD-„Scheibenwischer“-Star gilt als Wortakrobat, sein Markenzeichen sind ebenso scharfsichtige wie scharfsinnige Parodien. Pointiert wie kaum ein anderer nimmt der 54-Jährige Merkel, Stoiber & Co. aufs Korn. Richlings Rollenspiele sind nach 30 Jahren Kabarettleben längst Kult. Bei „Beckmann“ spricht er über die hohe Kunst der Parodie und schlüpft – ausnahmsweise vor Studiopublikum – in zahlreiche seiner Paraderollen.

Viele Politiker, sagt Mathias Richling, freuen sich, wenn sie von ihm parodiert werden. Gesundheitsministerin Ulla Schmidt habe ihn sogar ausdrücklich darum gebeten. Doch es gab auch schon Beschwerden. Beispielsweise sei der frühere Bundespräsident Johannes Rau sehr pikiert über eine Richling-Parodie gewesen und habe ihm mal gesagt: „Das fand ich nicht komisch.“

Grundsätzlich versucht der Kabarettist, in seinem Soloprogramm tagespolitische Ereignisse aufzugreifen. In der Diskussion um das Gnadengesuch von Christian Klar und die aktuelle Entscheidung von Bundespräsident Horst Köhler hält sich Richling allerdings zurück. „Das ist für mich schwer zu beurteilen, weil ich als Schüler die Zeit damals erlebt habe. Ich kannte einige Schleyer-Söhne, da ist man da befangen.“

Fast jeden Abend steht Richling auf der Bühne. An seinen Texten arbeitet er meist in der Nacht. „Nach der Vorstellung schreibe ich am besten. Es wundert sich jeder, aber ich habe einen komischen Tagesablauf. Ich gehe nicht vor fünf Uhr ins Bett und stehe nicht vor elf Uhr auf.“

Nicht jede Parodie fällt Richling leicht. Als Beispiel nennt er den FDP-Chef. „Es gibt Figuren, die durch nichts signifikant sind. Ich will ihm nicht zu nahe treten, aber Guido Westerwelle ist so jemand.“ Überraschenderweise war früher auch Helmut Kohl ein schwieriger Fall für den Kabarettisten: „Er hat sich große Mühe gegeben, das Signifikante abzuhobeln. Er hat extra Sprachkurse gemacht und sich eine neue Brille aufgesetzt.“ Erst nach drei Jahren Kanzlerschaft sei eine Kohl-Parodie wirklich für alle erkennbar gewesen.

Während seiner Karriere hat Mathias Richling fast alle Polit-Größen imitiert. Könnte er sich auch selber parodieren? „Nein. Ich würde mich auch nicht erkennen, wenn mich jemand nachmacht.“