Marianne Rosenberg
Sie gilt als Deutschlands erster Popstar und behauptet sich seit mehr als 35 Jahren ganz oben im Showgeschäft. Bereits als Teenager stürmte Marianne Rosenberg mit Songs wie „Mr. Paul McCartney“, „Er gehört zu mir“, „Ich bin wie du“ oder „Marleen“ die Hitparaden. Doch keiner ahnte das persönliche Drama der damaligen Schlagerprinzessin: Auf Wunsch des Vaters verschwieg sie, dass sie die Tochter eines Berliner Sinto ist, der die Konzentrationslager Auschwitz, Buchenwald und Bergen-Belsen überlebt hatte. Erst spät rebellierte die Sängerin gegen die ihr im Laufe der Jahre verhasste Schlagerszene und emanzipierte sich in der linken Westberliner Polit- und Rockszene. Heute ist die 51-Jährige gereift und gelassen, wird als Pop-, Jazz- und Chansonsängerin gefeiert und ist mittlerweile stolz auf ihre Hits der 70er. Bei „Beckmann“ spricht Marianne Rosenberg offen wie nie über ihre Familiengeschichte.
Rosenbergs Vater Otto stammte aus einer seit Generationen in Deutschland lebenden Sinti-Familie. Als 13-Jähriger wurde zu Zwangsarbeit verpflichtet und später nach Auschwitz und anschließend nach Buchenwald und Bergen-Belsen deportiert. Alle seine Geschwister, sein Vater, die Großmutter und viele weitere Verwandte wurden ermordet.
Als Kind ahnte Marianne Rosenberg nur die Geschichte ihrer Familie. „Es waren Bruchteile, die ich erfuhr und die ich erst über die Jahre zusammengesetzt habe. Ich wusste zum Beispiel, dass die Kinder im Lager nichts zu essen hatten, dass sie gehungert haben.“ Deshalb habe sie bei den Mahlzeiten nichts auf ihrem Teller übrig lassen dürfen. Zuhause habe ihr Vater viele Fotos zur Erinnerung an die Verwandten aufgestellt: „Davor stellte er Lichter, die er bei allen Festen, bei Geburtstagen oder Weihnachten anzündete. Dadurch waren die Verstorbenen für mich sehr präsent.“
Auf Wunsch des Vaters schwieg die damalige Schlagerprinzessin lange Zeit über ihre Familiengeschichte. „Er wollte mich schützen. Die andere Geschichte will niemand hören, sagte er immer, das erschreckt die Leute. Falls mich jemand fragen sollte, warum mein Vater so dunkel ist, dann sollte ich sagen, dass wir aus Ungarn kommen.“ Daran habe sie sich auch gehalten. Ihr Vater sei er oft „melancholisch und sehr bewegt“ gewesen, „er weinte oft, wenn ich sang.“
Zusammen mit ihren Eltern und sechs Geschwistern ist Marianne Rosenberg in Berliner Vororten aufgewachsen, in beengten und eher ärmlichen Verhältnissen. Geprägt war ihre Familie durch ein starkes Zusammengehörigkeitsgefühl. „Man kann gar nicht sagen, dass es in frühen Jahren meine Karriere war – es war unsere Karriere.“ Die ganze Familie habe gemeinsam daran mitgearbeitet. „Ich hatte in jungen Jahren wenig Selbstbewusstsein und auch kein Ich-Gefühl – es war immer dieses Wir-Gefühl. Das hat sich erst geändert, als ich auszog und neue Wege suchte.“
