Maria Blumencron


Als sie 1997 das Bild zweier erfrorener tibetischer Mädchen sah, hat Maria Blumencron ihr Leben verändert. Die damalige Schauspielerin wollte mehr über die Hintergründe wissen und erfuhr, dass jedes Jahr rund 1500 Kinder über die eisigen Pässe des Himalaya nach Indien flüchten. Viele werden von ihren Eltern geschickt, damit sie in den Schulen des Dalai Lama eine bessere Zukunft finden. Blumencron reiste selbst mehrmals ins Grenzgebiet und begleitete Flüchtlingsgruppen auf ihrem lebensgefährlichen Marsch durch Schnee und Sturm, immer bedroht durch chinesische Patrouillen. Bei „Beckmann“ berichtet Maria Blumencron über ihr Engagement für Tibet und zeigt erstmals neue Aufnahmen vom Schicksal der tibetischen Kinder.    

Durch die Fotos der toten Mädchen auf die Situation in Tibet aufmerksam geworden, war für Maria Blumencron klar, dass sie etwas für die tibetischen Flüchtlingskinder tun wollte. In ihrem Bekanntenkreis wusste keiner um die Problematik, auch Blumencron selbst betrat für sie absolutes Neuland. Eine Reise nach Indien führte sie in ein Kinderdorf, in dem sie einen tibetischen Lehrer kennen lernte. Nach vielen Gesprächen habe Blumencron das Gefühl gehabt, einen Film machen zu müssen, um auf die Missstände in Tibet aufmerksam zu machen.

Viele tibetische Kinder würden von ihren Familien über den Himalaya geschickt, um die kostenlosen Schulen des Dalai Lama zu besuchen – bereits seit über 50 Jahren. „Der Grund ist, dass die Eltern das Gefühl haben, jenseits des Himalaya – wo der Dalai Lama schon in den 60er Jahren begonnen hat, große Schulen zu bauen – könnten ihre Kinder in ihrer eigenen Kultur, in ihrer eigenen Sprache und Religion aufwachsen.“ Jedes Kind, das über den Himalaya komme, sei „ein Hoffnungsträger einer vom Untergang bedrohten Kultur“.

Auf der Flucht hätten sich die Kinder vielen Gefahren zu stellen: Einerseits der bewaffneten chinesischen Grenzpolizei, andererseits der Bewältigung des Himalaya selbst. „Die Kinder haben keine Ausrüstung, keine Schlafsäcke. In der Nacht sinken die Temperaturen auf – 20 Grad, da passieren die meisten Erfrierungen. Manche Kinder stürzen in Gletscherspalten und auch ein Schneesturm in dieser Höhe kann eine Gruppe ins Chaos führen.“

Die tibetischen Kinder aus ihrem Dokumentarfilm sind heute noch immer Teil von Blumencrons Leben: „Wenn einem solche Kinder begegnen, dann lässt man die nicht einfach los – sie sind in meinem Leben geblieben. Ich habe die absolute Distanz zu meinen Protagonisten verloren – das sind jetzt meine Patenkinder.“

Über ihre Erlebnisse in Tibet hat Maria Blumencron das Buch "Auf Wiedersehen, Tibet - Auf der Flucht durch Eis und Schnee" (DuMont) verfasst.

Wenn Sie sich über Maria Blumencron informieren bzw. sie unterstützen möchten, besuchen Sie die Internetseite des Vereins Shelter108 e.V. www.shelter108.de