Loki Schmidt und Siegfried Lenz
Sie ist eine der beliebtesten Deutschen, er zählt zu den bedeutendsten Schriftstellern der Nachkriegszeit und Gegenwart. Seit vier Jahrzehnten verbindet Loki Schmidt (89) und Siegfried Lenz (82) eine tiefe Freundschaft. Jetzt sind die beiden außergewöhnlichen Persönlichkeiten zum ersten Mal gemeinsam in einer Talksendung. Bei „Beckmann“ blicken sie auf ihr Leben zurück. Helmut Schmidt machte seine Ehefrau Loki auf den Schriftsteller Siegfried Lenz aufmerksam. „Mein Mann hat mir ‚Deutschstunde’ vor die Nase gehalten und gesagt: Hier, lies mal, ich glaube, das ist was für dich.“ Aus ihrer ersten persönlichen Begegnung entstand eine ganz besondere Beziehung, die von der früheren Lehrerin so charakterisiert wird: „Es ist irgendwie wie Bruder und Schwester. Vielleicht hat deswegen unsere Freundschaft so lange gehalten.“ Siegfried Lenz hat in den 60er und 70er Jahren Wahlkampf für Willy Brandt und Helmut Schmidt gemacht, während des Deutschen Herbstes 1977 war er Mitglied des Krisenstabes der Bundesregierung: „Man war ja in einer Zwangssituation, auch der damalige Bundeskanzler Helmut Schmidt. Es gab diese und jene Meinung, und er hatte die Entscheidung zu treffen. Und ich dachte: ‚Mein Gott!’ Unglaublich – diese Härte aufzubringen, diese Entschiedenheit, sein Nein, das dazu geführt hat, dass immerhin ein Ausgang gefunden wurde.“ Für den Fall einer etwaigen Entführung hatten Loki und Helmut Schmidt in der Zeit des RAF-Terrors einen Entschluss gefasst und im Bundeskanzleramt ein Schriftstück niedergelegt, erzählt Loki Schmidt: „Falls einer von uns beiden gekidnappt werden sollte, würde der andere nichts tun, um ihn aus dieser Situation zu retten.“ Nach der Unterzeichnung seien sie ein wenig beruhigter gewesen – trotzdem: „Es ist eine Situation, die wünsche ich meinem ärgsten Feind nicht, aber wir haben es ja beide überstanden.“ Kommendes Jahr wird Loki Schmidt 90 Jahre alt, ihre körperlichen Beschwerden nehmen zu. „Mein Mann und ich sind ja nun nicht mehr im biblischen Alter, sondern bereits im Greisenalter. Der Verstand sagt: Eigentlich gehörst du ja nicht mehr ganz zu dieser Gesellschaft. Ich bin jetzt im 90. Lebensjahr, und für mich ist es nur Mühsal – mühsam und umständlich.“ Auch Siegfried Lenz macht sich keine Illusionen über das Älterwerden: „Es wird schwerer, und das Schreiben wird schwerer“, gesteht er. „Man hat im Alter keinen Zuwachs an Souveränität, keinen Zuwachs an Phantasie. Man muss sich damit abfinden.“ Nach dem Tod seiner Frau 2006 fühlte Deutschlands großer Geschichtenerzähler nur noch innere Leere, das Schreiben fiel ihm schwer und war ihm sogar zeitweise unmöglich. „Ich habe mehrmals versucht, die Arbeit wieder aufzunehmen. Und das misslang, eindeutig.“ Doch dann hat er – neben Loki – einen neuen Halt gefunden. „Ich habe Hilfe erfahren – wesentliche Hilfe auf mannigfache Weise von einer dänischen geliebten Freundin, die übrigens 50 Jahre lang auch die Freundin meiner Frau war.“ Ulla hat er seine neue Novelle „Schweigeminute“ gewidmet: „Wir wussten so übereinander Bescheid. Und sie hat einfach auf sehr energische Weise gesagt: Du bleibst nicht allein hier.“


