Kurt Biedenkopf und Björn Engholm


Der eine regierte zwölf Jahre in Sachsen, der andere war fünf Jahre Ministerpräsident von Schleswig-Holstein. Über Jahrzehnte haben Kurt Biedenkopf (78) und Björn Engholm (68) den Kurs ihrer Parteien mitbestimmt, beide galten stets als Vordenker und Modernisierer. Am Tag nach den Richtungswahlen in Hessen und Niedersachsen analysieren die Grandseigneurs von CDU und SPD die Auswirkungen der Wahlergebnisse auf die Bundespolitik und diskutieren die Lage der Nation zu Zeiten der Großen Koalition.

Kurt Biedenkopf zeigt sich über das CDU-Ergebnis in Hessen nur wenig überrascht: „Ich habe zwar nicht mit so einem starken Einbruch gerechnet, aber ich habe damit gerechnet, dass es ihn gibt.“ Für Björn Engholm hat Hessens Ministerpräsident Roland Koch gesellschaftspolitische Strömungen falsch beurteilt: „Ich finde, dass Herr Koch gestisch, mimisch und rhetorisch nicht die Kultur gepflegt hat, die Menschen heute in einem Land erwarten. Dieses Brachiale, das er vermittelt hat, war eine strategische Fehleinschätzung. Er ist einem Stammtisch hinterher gelaufen, der seit zehn Jahren nicht mehr existiert.“

Björn Engholm glaubt an eine Veränderung der Politiklandschaft und erwartet künftig ein Fünf-Parteien-System, in dem man „auf mittlere Sicht die Linkspartei als Partner für Regierungsbildungen wird annehmen müssen“. Nach Ansicht des früheren SPD-Chefs werde die Linkspartei „demnächst in fast allen Landtagen sitzen“. Sie zu dämonisieren halte er für „völlig schwachsinnig“. Dass die SPD derzeit Rot-Rot-Koalitionen ablehnt, so Engholm weiter, „hängt ein bisschen mit der Figur meines alten Freundes Oskar Lafontaine zusammen. Der spaltet die Gemüter bis in die Spitze – obwohl er nicht nur ein Populist ist, sondern auch Überzeugungstäter und mit Sicherheit ein guter Demokrat.“