Kurt Beck


Vom Arbeiterkind zum SPD-Chef – nach einer Ochsentour durch seine Partei ist Kurt Beck ganz oben angekommen. Anders als sein Vorgänger Matthias Platzeck besitzt Beck „Stallgeruch“ – seine Wahl gilt als letzte Alternative einer torkelnden SPD. Beck ist innerhalb von nur sechs Monaten bereits der dritte Vorsitzende, der die Partei wieder auf Kurs bringen soll. Schlechte Umfragewerte, miese Wahlergebnisse, dramatisch sinkende Mitgliederzahlen – wohin steuert Beck die SPD in der Großen Koalition? Was will er künftig besser machen? Will er 2009 gegen Merkel antreten? Einen Tag nach seiner Wahl hat Kurt Beck bei „Beckmann“ sein erstes großes TV-Interview als offizieller Parteivorsitzender gegeben.

Kurt Beck äußert Respekt vor seinem neuen Amt. „Es ist schon eine Herausforderung. Wenn man manchmal so drüber nachdenkt, wer dieses Amt schon hatte, dann kriegt man auch Ehrfurcht davor.“ Ihm sei bewusst, dass die vor ihm liegende Aufgabe nicht leicht sei. Auch sein Vater habe ihm gesagt: „Junge, das ist eine große Baustelle!“ Gesundheitlich fühle er sich den neuen Aufgaben gewachsen – „auch wenn man mit 57 Jahren so seine Zipperlein hat“.

Bei „Beckmann“ weist Beck Vorwürfe zurück, die SPD verzögere Reformanstrengungen: „Es sind eine Reihe von Unions-Ministerpräsidenten, die sehr bremsen und drohen, den Weg nicht mit zu gehen. Andere haben uns Schwierigkeiten gemacht – wir sind nicht die Bremser.“ Allerdings stellt Beck Bundeskanzlerin Angela Merkel ein gutes Zwischenzeugnis aus: „Ich glaube, dass sie diese Aufgabe gut ausfüllt. Aber ich habe auch nie angenommen, dass sie es schlecht machen würde.“

Beck will trotz seiner neuen Aufgabe auch künftig bodenständig bleiben. Seine Frau arbeite immer noch eineinhalb Tage als Friseurin, das Ehepaar wohnt im ländlichen Steinfeld und ist sogar im Telefonbuch zu finden. Heimatverbundenheit ist für Beck wichtig: „Wir leben gerne dort. Man braucht einen festen Standort.“ Er habe es „nie gemocht, wenn man Abgeordneter ist für eine Region, in der man nicht lebt“.

Offen erzählt Beck über seine schwere Hautkrankheit, an der er als Kind litt. „Mein Gesicht, meine Hände – alle Körperteile waren voller Krusten und Ekzeme. Ich wurde immer gehänselt“, erinnert er sich an seine Kindheit, in der er sich manchmal als Außenseiter fühlen musste. „Alle waren Messdiener – ich durfte das nicht, weil die anderen das nicht wollten. Ich bin richtig ausgesperrt worden. Das ist natürlich für ein Kind sehr bitter.“ Diese Erfahrungen haben Beck bis heute geprägt, wie er sagt: „Vielleicht habe ich mir deshalb eine Sensibilität für Menschen bewahrt, die an den Rand gedrängt werden.“