Konstanze von Schulthess und Philipp von Schulthess


Seit Tom Cruise das Leben des hingerichteten Hitler-Attentäters Claus Schenk Graf von Stauffenberg als Hollywoodstoff entdeckt hat, sind die Ereignisse des 20. Juli 1944 wieder aktueller denn je. Jetzt revidiert Stauffenbergs jüngste Tochter Konstanze von Schulthess die historische Rolle ihrer Mutter Nina von Stauffenberg: Entgegen vieler Darstellungen hätten ihre Mutter und die anderen Ehefrauen der Attentäter die Verschwörungspläne sehr wohl gekannt, ihre Verdienste seien jedoch kaum gewürdigt worden. Bei „Beckmann“ spricht Konstanze von Schulthess nun erstmals über die wahre Familiengeschichte des deutschen Helden Stauffenberg und die Folgen, die der Bombenanschlag für seine Ehefrau und seine Kinder hatte. Außerdem zu Gast ist ihr Sohn Philipp von Schulthess. Der Enkel Stauffenbergs spielt in dem neuen umstrittenen Tom-Cruise-Film über den 20. Juli 1944 mit.

Nach Ansicht von Konstanze von Schulthess sind die Frauen der Widerstandskämpfer bisher oft völlig falsch dargestellt worden. „Da kriegt man wirklich die Wut“, schildert sie bei „Beckmann“ ihre Gefühle. Ihre Mutter Nina von Stauffenberg habe schon 1939 gewusst, „dass da was am Laufen war“. Zwar habe sie nicht alle Verschwörer namentlich gekannt, doch zumindest einige von ihnen. Was Nina von Stauffenberg allerdings nicht ahnte: dass ihr Mann selbst das Attentat durchführen würde. „Aber das war ja auch eine relativ späte und unerwartete Entscheidung“, sagt Schulthess und erklärt, warum sie nun die Aufgabe übernimmt, das Geschichtsbild zu korrigieren: „Meine Mutter war nicht der Typ, der sich in den Vordergrund gedrängt hat.“

Stauffenbergs Enkel, Philipp von Schulthess, erinnert sich noch gut an seine „Omama“: „Als ich ganz klein war, da hat sie immer Gummibärchen mitgebracht – das war prägend. Ich habe sie immer als die Gummibärchen-Großmutter erlebt. Ich fand sie streng, sie hatte Haltung und ich fand sie ein bisschen unnahbar. Später hat sich das geändert. Als ich älter wurde, konnte ich eher mit ihr sprechen und habe mich eher für sie interessiert.“

Durch die Erzählungen seiner Mutter und Großmutter hat Philipp von Schulthess viel über seinen Großvater Claus Schenk Graf von Stauffenberg erfahren: „Er war ein fröhlicher Mensch, der oft gelacht hat und in Kinder vernarrt war. Das ist das Bild, an dem ich festhalte.“