Klaus Wowereit


Er ist vielleicht Deutschlands schillerndster Politiker. Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit gilt als pragmatischer Linker mit bundespolitischen Ambitionen. Doch jetzt lernen wir einen anderen „Wowi“ kennen: Bei „Beckmann“ spricht Klaus Wowereit offen wie nie über seine nicht immer ganz leichte Kindheit und Jugend in Berlin-Lichtenrade, über seine verstorbene Mutter Hertha, die als Alleinerziehende für den sozialen Aufstieg ihres Sohnes kämpfte und die er bis zuletzt aufopferungsvoll gepflegt hat – sowie über sein Verhältnis zu den Medien.

Für Klaus Wowereit, der seit Tagen mit seiner Lebensgeschichte die Schlagzeilen beherrscht, sind Politik und Medien heute untrennbar verbunden: „Ich bin der Meinung, das ist ‚ne Schicksalsgemeinschaft. Ich kann auch Journalisten instrumentalisieren. Ich weiß, auf was die abfahren, und wenn ich eine Nachricht produzieren will, dann weiß ich, wo ich sie hinsetze. Das geht auch im gegenseitigen Interesse.“

Trotz aller Offenheit, so Wowereit, ziehe er „eine harte Grenze“ um seine Privatsphäre. „Bei mir gibt’s keine Homestorys. Bei mir ist noch nie ein Journalist, jedenfalls nicht mit dem Auftrag, einen Artikel zu schreiben, in meine Wohnung gekommen. Es ist ein Irrtum, zu glauben, wenn man Journalisten bedient, dass sie einen dann besser behandeln. Vielleicht für drei Tage, aber am vierten Tag ist das alles vergessen.“

Eine „ganz schlimme Form der Diskriminierung“ sei für ihn „die blöde These, dass ein schwuler Mann nicht schwul ist, und wenn die richtige Frau kommt, dann wird der auf einmal heterosexuell“. Solche Artikel träfen ihn zwar nicht persönlich, „aber andere, die nicht in so ‚nem geschützten Bereich leben wie ich. Und das finde ich eigentlich traurig.“

Wowereit befürwortet bei „Beckmann“ das sogenannte „Caroline-Urteil“. „Es  ist einfach ein Schutz, den man auch bei Prominenten mal einfordern muss. Das Schöne ist ja immer: Wenn Journalisten selber betroffen sind, weil sie selbst Opfer ihrer Kollegen werden, dann ist aber das Geschrei groß.“

Der SPD-Politiker spricht sich für neue Pflegemodelle aus: „Wir müssen Pflege anders gestalten. „Eine reiche Industriegesellschaft wie unsere, die muss erreichen, dass Menschen in Würde alt werden können und auch in Würde sterben können. Das ist eine Herausforderung, die wir haben.“

Wowereit plädiert für ein „Eltern-Pflegejahr“. Berufstätige sollten die Möglichkeit haben, sich um ihre pflegebedürftige Mutter oder ihren Vater zu kümmern: „Sie wissen, das Leben geht zu Ende, wollen aber den alten Menschen nicht ins Heim geben. Dann entscheiden sie sich, ein Jahr zuhause zu bleiben. Dann müssen sie vom Arbeitgeber die Garantie bekommen, dass sie danach wieder in ihren Job zurückkommen. Oder sie müssen eine finanzielle Zuwendung bekommen.“

Solch ein Pflegejahr sei unterm Strich „preiswerter als eine teure stationäre Pflege“, ist Wowereit überzeugt, „denn umgekehrt, wenn man einen teuren Heimplatz nimmt, muss der Staat auch die Differenz bezahlen.“  

Die heutige Pflegesituation hält der SPD-Politiker für unhaltbar: „In der höchsten Pflegestufe kriegen sie heute drei Mal am Tag 30 Minuten. Das schaffen sie nicht. Das ist gar keine Betreuung, es wird nur abgerechnet nach Modulen. Das ist ganz furchtbar und kostet viel Geld.“