Karl Lagerfeld


Er hat die Haute Couture geprägt wie kaum ein anderer. Heute ist Karl Lagerfeld weltweit eine Stil-Ikone und gilt als Jahrhundertgenie. Ob als Modeschöpfer, Fotograf oder Buch-Illustrator – der Autodidakt erfindet sich immer wieder neu. Jetzt gibt Karl Lagerfeld bei „Beckmann“ einen seltenen Einblick in seine Gedankenwelt. Ausführlich spricht er über Freundschaft und Alleinsein sowie über Luxus und Genügsamkeit.

Nur „zwei bis drei“ Menschen, sagt Lagerfeld, würden ihn wirklich kennen. Er brauche nicht „Tausende von Freunden“, wie manch anderer sie angeblich habe. „Freundschaft ist etwas, was beinahe jedes Mal neu erfunden werden muss und am Leben erhalten werden muss. Das ist keine Gewohnheit.“ Ein Paradebeispiel für wahre Freundschaft sei Caroline von Monaco. „Wenn man sie zwei Monate nicht gesehen hat und trifft sie dann wieder, dann ist es, als hätte man sich gerade erst verlassen.“

Der 69-Jährige liebt das Spiel mit der Illusion. „Was die Leute sich vorstellen, finde ich viel stimulierender als die Wirklichkeit. Wahrheit ist eine Standpunktfrage und ein Mysterium ist nur wirklich interessant, wenn keiner es wirklich kennt.“ Allerdings bemerke er, „dass der Unterschied zwischen dem Kunstprodukt Karl Lagerfeld und dem wirklichen Menschen Karl Lagerfeld langsam verschwindet – und dass das der gleiche Hampelmann wird.“

In der Ruhe liegt für den Modeschöpfer heute der wahre Luxus: „Ich bin beinahe total unerreichbar, es gibt ganz wenige Leute, die meine private Faxnummer haben. Das tue ich aus Selbsterhaltungstrieb. Man muss auch immer seine Zeit für sich behalten.“ Auf  gängige Kommunikationstechnik wie Handy und Email verzichtet Lagerfeld nahezu komplett. „Ich schreibe noch mit der Hand und liebe Faxe. Und weil ich kein Telefon-Fanatiker bin, telefoniere ich so gut wie gar nicht.“ Auch auf eine SMS müssen seine Freunde verzichten: „Ich würde das hinkriegen, aber es langweilt mich zu Tode. Ich bin ja keine Sekretärin.“

Der gebürtige Hamburger arbeitet heute in Paris und besitzt weitere Wohnungen unter anderem in Monte Carlo und New York. „Das Gefühl von Zuhause habe ich nicht. Ich bringe mich überall selbst mit und lebe auch ganz gut mit mir.“ Weihnachten verbringt Lagerfeld in Paris, um zu arbeiten. Das Gute an Weihnachten sei für ihn, dass alle verreisten – „da habe ich Ruhe.“