Karin Stilke
Sie gilt als das erste deutsche Topmodel – auch wenn es damals diesen Begriff noch nicht gab. Karin Stilke wurde in den 30er Jahren auf dem Berliner Kurfürstendamm entdeckt und stand mehr als zwei Jahrzehnte lang für die namhaftesten Fotografen vor der Kamera. Durch ihre Arbeit lernte sie viele Persönlichkeiten der damaligen Zeit kennen: Marlene Dietrich, Curd Jürgens und Erich Maria Remarque zählten zu ihrem Freundeskreis. Bei „Beckmann“ berichtet die mittlerweile 90-jährige Karin Stilke jetzt erstmals in einer Talksendung über ihr ereignisreiches Leben. Gemeinsam mit Karl Lagerfeld spricht sie über die Modewelt und die Schönheitsideale von damals und heute.
Karin Stilke schwärmt von Lagerfeld. „Ich habe Karl immer sehr, sehr bewundert – nicht nur seiner Mode wegen, sondern auch wegen seiner unglaublich interessanten Persönlichkeit.“ Sie habe ihm hinter den Kulissen bewundernd zugehört: „Unglaublich gut, was er alles von sich gibt, und mit so viel Witz und Charme – ganz toll, wunderbar.“
Frühere Fotoshootings, erzählt Stilke, seien mit den heutigen nicht vergleichbar. „Man ging hin, wie man war. Man hatte seine eigene Frisur und sich irgendwie ein bisschen gekämmt, weiter gar nichts. Vielleicht war man vorher noch beim Friseur. Man schminkte sich nicht, das gab es gar nicht. Make-up, wie es das heute gibt, gab es damals gar nicht, nur Theaterschminke. Und die wollte ich nicht gerne auf mein Gesicht lassen. Und dann machte man ein bisschen Puder auf die Nase, ein bisschen Lippenstift, ein bisschen Wimperntusche – und das war alles. Es gab keine Visagisten, es gab nichts.“
Durch ihre Arbeit lernte Karin Stilke auch Curd Jürgens kennen. „Er war gerade am Beginn seiner Karriere und spielte an einem kleinen Theater. Aber sein Geld verdiente er dadurch, dass er Fotomodell war.“ Allerdings wären Männer damals meist nur als Staffage mit aufs Bild gekommen. „Er besaß ungeheuren Charme und viel Liebenswürdigkeit und war sehr, sehr intelligent und auch sehr gebildet. Wir sind sehr gute und enge Freunde gewesen.“
Beeindruckt war Stilke auch von Marlene Dietrich, die sie in den 30er Jahren erstmals traf: „Ich werde nie vergessen, wie diese zauberhafte Person in einem beigefarbenen Kostüm auf uns zukam – für mich unglaublich. Sie hatte den ‚Blauen Engel’ schon gedreht und war auf dem Höhepunkt ihrer Karriere. Sie war eine tolle Erscheinung!“



