Karin Dor


Sie war das schönste Gesicht des deutschen Kinos. Mit Rehaugen und Unschuldsblick betörte Filmstar Karin Dor wie keine zweite die gesamte Männerwelt. In den Karl-May-Filmen weckte sie Winnetous Beschützerinstinkte, in der Edgar-Wallace-Reihe sorgte sie für erotisch-gruselige Schauer. 1966 erlangte sie dann Weltruhm: Karin Dor wurde das erste deutsche Bond-Girl in „Man lebt nur zweimal“. Später gab ihr Alfred Hitchcock eine Hauptrolle im Spionage-Thriller „Topas“. In den USA fand sie auch privat ihr Glück – seither pendelt Dor zwischen Beverly Hills und Bayern. Jetzt ist die Film-Legende seit Jahren wieder in einer Talksendung zu Gast. Bei „Beckmann“ schildert Karin Dor ihre Begegnungen mit Sean Connery und Alfred Hitchcock – und spricht erstmals über die große Liebe ihres Lebens.

In Deutschland war Karin Dor schon lange ein Star, doch 1967 gelang ihr an der Seite von Sean Connery der internationale Durchbruch. Zunächst sei sie gar nicht beeindruckt von ihrem Filmpartner gewesen: „Als ich ihm das erste Mal beim Proben zusah, dachte ich: ‚Ach Gott, ist das ein Langweiler, das ist ja furchtbar!’ Da war ja gar nichts, überhaupt nichts!“ Doch dann, als die Dreharbeiten begannen, sei Connery plötzlich „ein ganz anderer Mann“ gewesen. „Der faule Hund war einfach zu faul zu proben“, sagt Dor.

Später drehte sie „Topas“ unter der Regie von Alfred Hitchcock, dessen Ruf Karin Dor im Vorfeld der Dreharbeiten Sorgen bereitete: „Er hat ja Frauen wirklich nicht gemocht. Ich wurde so vor ihm gewarnt, von allen Seiten. Ich wurde bombardiert mit entsetzlichen Erzählungen über ihn.“ Die Vorurteile seien jedoch in keiner Weise bestätigt worden: „Wir haben vom ersten Moment an einen tollen Kontakt gehabt“, schwärmt über die Zusammenarbeit mit der Regie-Legende.

Heute kümmert sich die 68-Jährige aufopferungsvoll um ihren Mann George Robotham. Der 85-jährige US-Millionär ist an Alzheimer erkrankt. „Es ist sehr schwer“, schildert Dor den Alltag mit Alzheimer. „Man ist den ganzen Tag zusammen, aber es findet keine Unterhaltung mehr statt. Am meisten schmerzt, dass man keine gemeinsame Vergangenheit mehr hat. Dass man sagt: ‚Weißt du noch damals, wie schön das war.’ Das ist weg.“ Ihr Mann merke das selbst nicht: „Für ihn ist alles in Ordnung.“

Den geistigen und körperlichen Verfall ihres Mannes zu erleben, belastet Dor: „Er ist nicht mehr stabil auf den Beinen und fällt leicht hin. Das ist natürlich tragisch zu sehen, wenn ein Mann – der so unwahrscheinlich toll beieinander war, der so ein toller Sportler war – so wackelig auf den Beinen ist.“

Anfangs habe Dor die  Krankheit nicht wahrhaben wollen, sagt sie: „Ich habe fürchterlich gelitten. Mir sind die Haare in drei Schüben büschelweise ausgefallen.“ Sie sei zum Arzt gegangen, der aber nicht habe feststellen können. „Das war nur der Stress.“ Inzwischen habe sie gelernt, mit der Krankheit umzugehen, ohne ihre Lebensfreude und ihren Humor zu verlieren. Dennoch gebe es Dinge, so Karin Dor „die einen furchtbar traurig machen, weil man merkt, dass dieser Mensch nicht mehr der ist, der er einmal war.“