John Walcott und Olaf Gierszewski


Es ist eine einzigartige Geschichte: John Walcott kämpfte am 11. September 2001 um das Leben anderer und verlor dabei fast sein eigenes. 18 Monate nach seinem Einsatz beim zerstörten World Trade Center erhielt der New Yorker Polizist die Diagnose Leukämie. Nach einer erfolglosen Chemotherapie hoffte er auf seine einzige Chance: eine Stammzelltransplantation. Allerdings: Die Wahrscheinlichkeit, einen passenden Spender zu finden, liegt bei eins zu einer Million. Walcotts persönlicher Jackpot heißt Olaf Gierszewski. Der Wilhelmshavener Hauptbootsmann hatte sich im Mai 1999 als Stammzellspender typisieren lassen – und rettete damit John Walcott das Leben. Nach Ablauf der zweijährigen Datensperrfrist begegnen sich jetzt bei „Beckmann“ Spender und Empfänger erstmals persönlich. Gemeinsam mit Claudia Rutt, Geschäftsführerin der DKMS, sprechen sie über die Notwendigkeit von Stammzellspenden.

John Walcott gehörte zu den Rettungskräften, die am 11. September 2001 als erste bei den Trümmern des World Trade Centers eintrafen. Wochenlang half er, Verletzte und Tote zu bergen und Spuren in den Überresten der beiden Türme zu sichern. Er offenbart: „Es hat Wochen gedauert, bis wir Atemschutzmasken bekommen haben. Wir wussten: Das kann nicht gesund sein!“ Trotzdem arbeitete der New Yorker weiterhin unermüdlich am heutigen Ground Zero. „Das Ziel war, jemanden zu retten – zu schauen, ob noch jemand in der Falle sitzt. Es gab ja noch so viele Lücken in dem Trümmerhaufen.“

13 Monate später, kurz nach der Geburt seiner kleinen Tochter Colleen, bekam Walcott eine Erkältung, die ungewöhnlich lange dauerte. Schließlich erfuhr er die Schock-Diagnose: Leukämie. Die sofort eingeleitete Chemotherapie blieb erfolglos.

1999 hatte sich der Marinesoldat Gierszewski bei der Deutschen Knochenmarkspenderdatei (DKMS) typisieren lassen, weil einer seiner Kameraden an Leukämie erkrankt war. Damals kam er als Spender nicht in Frage. Doch vier Jahre später stellte die DKMS fest: Die Stammzellen von Olaf Gierszewski sind mit denen von John Walcott kompatibel – entgegen aller Wahrscheinlichkeit. Gierszewski erklärte sich zur Spende bereit und rettete damit dem New Yorker Polizisten das Leben.

Nach der zweijährigen Sperrfrist telefonierten die beiden zunächst, es folgte regelmäßiger Kontakt per E-Mail. Jetzt sind sich Olaf Gierszewski und John Walcott vor der Aufzeichnung der ARD-Talksendung „Beckmann“ erstmals begegnet. Ihr Treffen verlief sehr emotional, beide Männer zeigten sich sehr bewegt. „Mir schossen die Tränen in die Augen und ich wusste gar nicht, was ich sagen sollte. Das hatte ich das letzte Mal bei der Geburt meiner beiden Kinder“, erinnert sich Gierszewski, und Walcott fügt hinzu: „Es war, als kannten wir uns schon.“

Gierszewski fühlt sich nicht als Lebensretter. Aber er fände es schön, dass er mit seiner Stammzellspende helfen konnte. John Walcott bedauert seinen Einsatz in den Ruinen des World Trade Center nicht: „Ich wollte anderen helfen, das war einfach meine Arbeit. Ich habe meinen Beruf so gewählt – und der Tod war immer eine Möglichkeit.“