Jörg Kachelmann
Jörg Kachelmann

Jörg Kachelmann


Er ist Deutschlands bekanntester Wetterfrosch. Seit fast 15 Jahren sagt Jörg Kachelmann in der ARD das Wetter vorher. Doch neben exakten Prognosen verfolgt der Schweizer noch eine andere Mission: Er will endlich mit weit verbreiteten, aber unsinnigen Wetterregeln aufräumen. Ob „Hundertjähriger Kalender“, Biowetter oder der Laubfrosch als Wetterprophet – das alles ist für ihn kompletter Unfug. Wie viel Wahrheit steckt wirklich in Aussagen wie „Zugluft macht krank“, „Schwalben fliegen bei schlechtem Wetter tief“ und „bei Neumond wechselt das Wetter“? Bei „Beckmann“ klärt Jörg Kachelmann die größten Irrtümer auf und lüftet viele weitere verblüffende Wetter-Geheimnisse.

Vom sogenannten „Biowetter“ hält Kachelmann zum Beispiel gar nichts. „Mich ärgert das Biowetter in den Zeitungen. Das ist sehr gefährlich und unwissenschaftlich und nicht real!“ Das Biowetter verängstige vor allem hypochondrische Menschen: „Viele Leute, die gar kein Rheuma haben, denken: ‚Oh, da muss sich jetzt bei mir auch mal ein Rheuma entwickeln.’“

Kachelmann selbst ist nach eigener Aussage das Gegenteil eines Hypochonders. „Ein richtiger Mann geht erst zum Arzt, wenn er tot ist“, meint der 48-jährige. Er habe Angst vor der Diagnose, weil er immer denke: „Wenn ich’s nicht weiß, dann kommt es auch nicht.“ Allerdings wisse er, dass er sich „irrational“ verhalte und dass er kein gutes Vorbild ist: „Machen Sie alle Vorsorgeuntersuchungen – ich weiß schon, dass das gut wäre.“

Warum will Kachelmann jetzt mit den alten Wetterregeln aufräumen? „Ich bin relativ unentspannt bei Aberglauben. Mich macht es fix und fertig, dass Leute immer noch glauben, dass das Wetter was mit dem Mond zu tun hat.“ Seine Erklärung klingt einleuchtend: „Wenn über Hamburg Vollmond ist, dann ist auch über Bremen Vollmond. Auf der ganzen Welt ist zum gleichen Zeitpunkt Vollmond. Sie glauben doch nicht, dass sich das Wetter zum gleichen Zeitpunkt auf der ganzen Welt ändert?“

Auch der „Hundertjährige Kalender“ ist für ihn „völliger Blödsinn“, ebenso wie der Glaube vieler Menschen, dass Milch bei Gewittern sauer werden würde. „Milch weiß nicht, dass Gewitter ist. Die Milch ist blöd.“ Warum scheinen manche Regeln dennoch zutreffend? „Das ist das Problem mit der selektiven Wahrnehmung. Die Leute merken immer nur, wenn die Regel stimmt.“

Für Kachelmann gibt es kein gutes oder schlechtes Wetter, dauernden Sonnenschein empfinde er als anstrengend. Irgendwann, so vermutet er, müsse mal ein Berater zu allen deutschen Radiostationen gegangen sein und ihnen einen typischen Wetterbericht „in die Birne geprügelt“ haben: „Wenn die Sonne nicht scheint, müsst ihr sagen: leider Wolken, leider Regen.“

Auch von seinem tierischen Kollegen hält Deutschlands bekanntester Meteorologe wenig. Ausschließlich im deutschsprachigen Raum gelte der Laubfrosch als Prophet. „Der Frosch weiß aber nicht, ob schönes Wetter ist.“