Joachim Kardinal Meisner


Er zählt zu den mächtigsten Männern innerhalb der katholischen Kirche und gilt als großer Verehrer von Benedikt XVI. Seit 17 Jahren ist Joachim Kardinal Meisner Erzbischof von Köln, dem einflussreichsten deutschen Bistum, und predigt stets das Festhalten an katholischen Grundsätzen. Nichts scheint der konfliktfreudige Kardinal offenbar mehr zu fürchten als eine Angleichung der Kirche an den Zeitgeist. Jetzt ist Joachim Kardinal Meisner erstmals Gast in einer Talksendung. Anlässlich des 80. Geburtstages von Papst Benedikt XVI. spricht er über dessen bisherige Amtszeit, über die Rolle der Frau in der Kirche sowie über die aktuelle Krippenplatzdebatte.    

Meisner hat bereits während seiner Studienzeit die Bücher von Joseph Kardinal Ratzinger gelesen – persönlich kennen gelernt hat er ihn aber erst sehr viel später. Seitdem ist ein freundschaftliches Verhältnis entstanden, wie er erzählt. „Ich würde es gar nicht so sagen, wenn er mir nicht in manches Buch hineinschriebe: ‚In alter Freundschaft, Dein Bene.’“

In seinen Begegnungen habe Meisner Benedikt XVI. stets als eine Persönlichkeit kennen gelernt, „in der man wirklich mit Gott und Christus in Berührung kommt. Er strahlt eine Atmosphäre aus, in der man durchatmen kann, in der man keine Angst hat, etwas falsch zu machen. Man braucht sich nicht verdrehen, man kann sich geben, wie man ist. Ich gehe vom Papst immer ein bisschen besser weg, als ich hingekommen bin“.

Der Kölner Erzbischof ist überzeugt, dass Benedikt XVI. sich vor allem die Unterstützung durch seine Landsleute wünscht: „So wie ich den Papst kenne, ist das schönste Geburtstagsgeschenk, wenn wir ihm den Rücken stärken für seinen nicht leichten apostolischen Dienst und dass er mit unserer Solidarität und unserem Gebet rechnen kann.“ Bei „Beckmann“ zitiert Meisner aus seinem Glückwunschschreiben: „Ich habe ihm in meiner persönlichen Gratulation geschrieben: Heiliger Vater, wenn Jesus 80 Jahre alt geworden wäre, dann würde er aussehen wie Du.“ Solche jahrzehntelangen Gemeinschaften prägten sich aus bis in das Gesicht hinein, so Meisner weiter. Dieses Phänomen sei auch bei Ehepaaren zu beobachten: „Man sagt ja auch bei Eheleuten, die sich gut verstehen und jahrelang in Treue zusammenhalten: Die sehen sich ähnlich wie Geschwister.“

Der als konservativ geltende Meisner schlägt in der aktuellen Krippenplatzdebatte versöhnliche Töne an – allerdings mit Einschränkungen. „Ich bin gar nicht gegen die Krippenplätze. Aber das neunmonatige vorgeburtliche Leben eines Kindes im Mutterleib braucht nach der menschlichen Erfahrung noch eine Nachbereitung von mindestens drei Jahren. Der Mutter, die zuhause bleibt, müsste man das Geld geben, was ein Kinderkrippenplatz kostet.“

Für Meisner ist der Schwerpunkt in der aktuellen Krippendebatte verrutscht. Es würde zu wenig über das Wohl der Kinder und zuviel über die Interessen der Frau diskutiert. „In der ganzen Familienpolitik bedauere ich, dass das Kind nicht im Mittelpunkt steht. Sondern nach meinem Empfinden steht die berufstätige Frau im Mittelpunkt: Wie können wir ihre Berufstätigkeit erhalten und dabei die Kinder versorgen?“

Nach Ansicht von Meisner taugten Krippenplätze nur als „Alternative, und nicht als Normalmodell. Es ist keine Wahlmöglichkeit“. Wissenschaftler seien sich einig, dass Kinder, die in den ersten Lebensjahren mit der Mutter aufwachsen, „zu Persönlichkeiten heranwachsen, die widerstandsfähig sind, belastungsfähig sind, die wirklich Säulen der Gesellschaft sind“.

Überraschend lobt Meisner Ursula von der Leyen. „Ich bin ganz froh, dass sie nun endlich das Thema Familie in die Öffentlichkeit hineingetragen hat. Das ist keiner Regierung vorneweg so gelungen in dieser Intensität, wie das jetzt ist. Darin bewundere ich sie, und da bin ich auch sehr dankbar.“ Und weiter: „Der Familienministerin Respekt und Anerkennung, dass sie die Familienpolitik zu einem gesellschaftlichen Thema gemacht hat. Ich hoffe, dass sie sich in der Weise korrigieren lässt, wie ich das gesagt habe.“