Ivan Rebroff
Wie kaum ein anderer Sänger verkörpert Ivan Rebroff die Seele russischer Musik und begeistert seit Jahrzehnten Millionen Fernsehzuschauer mit seiner viereinhalb Oktaven umfassenden Stimme. In den 50er Jahren begann er seine Karriere als Opernsänger, seinen internationalen Durchbruch schaffte er 1968 in der Rolle des Milchmanns Tevje in der Pariser Aufführung des Musicals „Anatevka“. Sein Hit „Wenn ich einmal reich wär“ war der Beginn einer einzigartigen Karriere, die Rebroff auf alle großen Konzertbühnen der Welt führte. Schnell stieg er in die europäische Hautevolee auf. Stars wie Gilbert Bécaud, Marcel Marceau und Liza Minnelli zeigten sich gerne mit ihm, er schließt Freundschaft mit der Begum Aga Khan, und in Paris wohnte er neben Operndiva Maria Callas. Bereits seit Jahren lebt Ivan Rebroff zurückgezogen auf einer griechischen Insel. Jetzt gibt er anlässlich seines 75. Geburtstags in diesem Jahr bei „Beckmann“ sein erstes Fernsehinterview seit langem und schildert seinen außergewöhnlichen Lebensweg.
Rebroff wollte immer schon Bühnenstar werden. Doch fast hätte er die Rolle des Milchmanns Tevje, mit der er ihm der Durchbruch gelang, abgelehnt. „Ich hatte Angst und dachte, ich schaffe es nicht.“ Noch kurz vor Vertragsunterzeichnung hätten ihn große Selbstzweifel geplagt und er habe sich gefragt: „Wie komme ich da raus?“ Doch als man ihm anbot, selbst seinen Gagenscheck auszufüllen, habe er nicht mehr widerstehen können.
Der Opernsänger traf die richtige Entscheidung. „Anatevka“ wurde ein Welterfolg, er selbst stieg schnell zum Liebling des Pariser Publikums auf. Fasziniert war er von der Diva Maria Callas, die damals in derselben Straße wie er lebte. „Sie war ein Vorbild für mich, alles hat sie sich eisern erarbeitet.“ Anderseits sei sie auch eine „merkwürdige“ Frau gewesen. „Sie hatte keine Freunde und war eine Egomanin. Das brauchte sie, um ihren Ruhm zu erhalten.“
Über seine Kindheit und Jugend spricht Ivan Rebroff ungern: „Ich habe ein gestörtes Verhältnis zum Begriff Familie und Heimat. Ich bin ein Flüchtlingskind, und meine Mutter hat mich vor vielem beschützt.“ Sein Vater habe „sich schnell abgesetzt“ und die Familie verlassen. Rebroff hält es deshalb mit Goethes Wahlverwandtschaften: „Ich suche mir meine Verwandtschaft aus.“
Seit Anfang der 70er Jahre besitzt Rebroff ein nach eigenen Plänen umgebautes Haus mit einem sehr großen Garten auf der griechischen Sporaden-Insel Skopelos. Die Insel ist seit vielen Jahren sein Hauptwohnsitz, er ist Ehrenbürger der Insel und griechischer Staatsbürger. Auch mit 75 Jahren gibt er regelmäßig Konzerte und will möglichst lange aktiv bleiben. Noch heute könne seine Stimme bei entsprechendem Training viereinhalb Oktaven umfassen – allerdings sei sie „wahnsinnig launisch“. Manchmal wache er morgens auf und denke sich: Heute Abend soll ich singen?“

