Ivan Klasnić mit seiner Frau Patricia und seinem Bruder Josip sowie Matthias Teichner


Er ist der einzige Fußballprofi, der mit einer implantierten Niere spielt. Nach zwei Operationen und einer elfmonatigen Pause ist Werder Bremens Stürmerstar Ivan Klasnić im November 2007 auf die Bundesligabühne zurückgekehrt. Sein Comeback gilt als Wunder. Jetzt erhebt der 28-Jährige schwere Vorwürfe gegen Ärzte des Bundesligisten und beklagt jahrelange medizinische Versäumnisse. Bei „Beckmann“ spricht Ivan Klasnić gemeinsam mit seiner Ehefrau Patrica das erste Mal über seine Krankengeschichte, über sein gefeiertes Comeback und über seine Klage auf Schmerzensgeld und Schadensersatz in Millionenhöhe

Ivan Klasnić will von den Ärzten des Fußballbundesligisten Werder Bremen nie über seine schlechten Blutwerte informiert worden sein. „Mir wurde immer gesagt, dass ich gesund bin“, sagte der 28-Jährige. Er sei „enttäuscht oder auch richtig sauer“, dass die Vereinsärzte nicht mit ihm über seine immer schlechteren Werte gesprochen hätten. Erst im November 2005 habe er nach eigener Aussage von Ärzten des Klinikums Bremen-Mitte von seinen gesundheitlichen Problemen erfahren. Kurz darauf musste sich der Fußballprofi zwei Nierentransplantationen unterziehen.

In dieser Zeit habe ihm die Unterstützung durch Werder Bremen gefehlt: „Es war nicht alles in Ordnung“, so Klasnić. Auch seine Ehefrau Patricia kritisiert das damalige Verhalten der Werder-Führung: „Ich habe einen vielleicht ganz lapidaren Anruf vermisst, einfach nur die Nachfrage: Wie geht es ihnen, wie geht es ihrem Mann?“

Weiter berichtet Patricia Klasnić von einem Treffen zwischen dem Ehepaar und Werder-Manager Klaus Allofs: „2005, unmittelbar nach der Blinddarmoperation, hatten wir einen Termin bei Herrn Allofs. Ich habe ihn gefragt, wie das sein kann, dass man über soviel Jahre nichts gesehen hat... nicht hat sehen wollen. Ich habe die Antwort erhalten, 'dass das Denken eigentlich recht sportlich ist, ich rede ja nur als Ehefrau'. Ich bin auf einen absoluten Widerstand gestoßen. Ich habe ein bisschen das Gefühl gehabt, dass Herr Allofs mir ausgewichen ist. Da bin ich ganz ehrlich: Ich war von seiner Antwort sehr enttäuscht!“

Klasnićs Anwalt Matthias Teichner hat vergangenen Freitag Klage eingereicht: „Wir werfen den Ärzten vor, dass sie auf Ivan Klasnićs schlechte Werte nicht reagiert haben.“ Wie es scheint, hat der Fußballprofi längere Zeit größere Mengen Schmerzmittel genommen,  berichtet Patricia Klasnić. „Es ist für ihn ein Normalzustand gewesen. Das gehörte einfach dazu, wie jeden Tag Wasser trinken. Das war sein Alltag.“ Klasnic gesteht, nicht weiter über die Nebenwirkungen nachgedacht zu haben. „Als jüngerer Spieler weiß man das nicht so. Da will man natürlich Fußballspielen, Fußballspielen, Fußballspielen. Und da überlegt man vielleicht nicht.“ Die regelmäßige Einnahme des Wirkstoffs Diclofenac soll laut ärztlichem Gutachten Klasnićs Nierenprobleme weiter verschlimmert haben.

Mario Thevis, Dopingforscher und Professor an der Deutschen Sporthochschule in Köln, bestätigt die gängige Praxis im Spitzensport: „Es scheint fast so, dass Schmerzmittel zum täglichen Leben eines Leistungssportlers gehören. Es gibt zahlreiche Aussagen, dass dieser Gebrauch – um nicht zu sagen: Missbrauch – in gewisser Weise alarmierend hoch ist und dass der therapeutische Nutzen auf jeden Fall zu hinterfragen ist.“

Nach einer langen Zeit des Hoffens und Bangens ist der Werder-Stürmer vor einem halben Jahr wieder auf das Spielfeld zurückgekehrt und hat sich damit seinen großen Wunsch erfüllt. Sein Bruder Josip erinnert sich an Klasnićs erste Reaktion nach der geglückten zweiten Nierentransplantation: „Ich will wieder auf den Platz!“