Horst Seehofer
Intrigen und Indiskretionen haben die CSU in ihren Grundfesten erschüttert und sorgen seit Wochen für Schlagzeilen. Selbst Edmund Stoibers angekündigter Rückzug von seinen Ämtern hat die Volkspartei nicht zur Ruhe gebracht. Ganz im Gegenteil: Das Gerangel um den Parteivorsitz ist in vollem Gange. Bundesminister Horst Seehofer will zur Kampfkandidatur gegen den bayerischen Wirtschaftsminister Erwin Huber antreten. Bei „Beckmann“ spricht Horst Seehofer über seine persönliche Sicht der bayerischen Ränkespiele, über seine Ambitionen und über die Spekulationen um seine Person.
Horst Seehofer hält an seiner Kandidatur für den Parteivorsitz der CSU fest. „Ich kenne keine erfolgreichere politische Kraft in Europa. Und da an der Spitze zu stehen, ist an sich ein Reiz.“ Er fühle sich noch in einem zumutbaren Alter, um die Partei zu führen.
Seehofer hält eine einvernehmliche Lösung in der Debatte um den CSU-Parteivorsitz immer noch für möglich. Mit dem designierten bayerischen Ministerpräsidenten Günther Beckstein verbinde ihn „die gemeinsame Sorge, dass es uns gelingen muss, Streit zu vermeiden und Erfolg zu haben. Ich habe ein Stück Hoffnung im Herzen, dass uns am Schluss eine vernünftige Lösung gelingt“.
Es sei für ihn „nicht unnormal“, dass „derzeit mehrere Namen im Gespräch sind, und am Ende der Parteitag entscheiden“ müsse. Aber „natürlich reden wir weiter, denn die Mitgliedert erwarten, dass wir ausloten: Können wir uns im Konsens verständigen?“ Während seiner politischen Laufbahn habe er „solche Wochen noch nie erlebt. Es sollte sich nicht wiederholen, und damit es sich nicht wiederholt, muss man darüber reden.“
Mit seinem Konkurrenten um den Parteivorsitz, Erwin Huber, pflege er ein persönlich gutes Verhältnis. Sie seien immer gut miteinander umgegangen. „Ich glaube, dass beide Beteiligten, auch wenn es länger dauern sollte, bis zum September, da jetzt keinen Schaden verursachen für die Partei oder für Bayern.“ Ein Problem sieht Seehofer darin, dass beide ihre „Truppen und Anhänger“ hätten, unter denen es natürlich auch „ein paar Scharfmacher, ein paar Fundamentalisten“ gäbe. Seehofer rät, die Nerven zu bewahren, „wenn Leute über die Strenge schlagen und ein bisschen schärfer in den Medien oder in Resolutionen oder manchmal auch hinten herum argumentieren.“
Die Veröffentlichungen über seine Privatsphäre nehme er „relativ gelassen“. Man könne als Minister nicht in den guten Zeiten Wert darauf legen, dass man in der Öffentlichkeit vorkomme, und wenn es dann mal negative Schlagzeilen gäbe, plötzlich gebeugt durch das Land laufen, so Seehofer. Den Medien mache er deshalb keinen Vorwurf. „Das muss man aushalten. Aber es ist natürlich schon die Absicht, mich mit solchen Dingen auch politisch zu beschädigen. Das ist eindeutig.“


