Hildegard Hamm-Brücher
Sie ist die „Grande Dame der Liberalen“. Jahrzehntelang hat Hildegard Hamm-Brücher (86) die deutsche Nachkriegsgeschichte entscheidend mitgestaltet. In politischen Fragen nahm sie nie ein Blatt vor den Mund. Wenn es hingegen um ihr Privatleben ging, hat sie stets Wert auf größte Diskretion gelegt. Deshalb weiß kaum jemand: In den vergangenen Jahren kümmerte sich Hamm-Brücher aufopferungsvoll um ihren an Demenz erkrankten Ehemann Erwin Hamm – und hat ihn bis zu dessen Tod im Februar dieses Jahres zu Hause gepflegt. Anlässlich der ARD-Themenwoche „Mehr Zeit zu leben“ spricht Hildegard Hamm-Brücher bei „Beckmann“ zum ersten Mal über das Älterwerden und sagt, wie sie ihren Alltag jetzt alleine neu organisiert.
Hildegard Hamm-Brücher schildert offen die Belastungen der vergangenen Jahre. Es sei tragisch gewesen, dass ihr Mann „in seinen Halluzinationen immer wieder mit Menschen zu tun hatte, die seit Jahren oder Jahrzehnten tot waren und mit denen er etwas unternehmen oder sprechen wollte“. Sie habe die Erfahrung gemacht, dass „man nicht in den Qualen des liebsten Menschen“ versinken dürfe. Stattdessen habe sie versucht, ihrem Mann „ein bisschen Freude“ zu schenken: „Wir haben das gut geschafft, glaube ich.“
Der Tod ihres Ehemanns ist für Hamm-Brücher „ein unglaublicher Lebensbruch“. Er fehle ihr sehr, „da ist eine Riesenlücke“, sagt sie bei „Beckmann“. In den ersten Trauerwochen habe sie sich oft gefragt: „Was hast du jetzt für eine Aufgabe? Was wird aus dir?“ Doch jetzt wolle sie wieder nach vorne schauen: „Ich muss irgendwas versuchen, mich einzubringen. Und heute Abend ist der erste Probelauf.“
Die 86-Jährige möchte „solange es irgendwie geht“ in ihrer eigenen Wohnung leben, sie hängt an ihren Büchern und den Erinnerungen. „Das wäre Isolationshaft, wenn ich in ein Altenheim müsste.“


