Hélène Grimauld


Sie zählt zu den besten Pianistinnen der Gegenwart. Mit zwölf Jahren war Hélène Grimaud die jüngste Schülerin aller Zeiten am Pariser Konservatorium, mit 15 wurde sie für ihre Schumann-Interpretationen gefeiert, und mit 18 debütierte das Ausnahmetalent unter der Leitung von Star-Dirigent Daniel Barenboim auf der Konzertbühne. Heute wird die 37-Jährige für ihr temperamentvolles Spiel bejubelt und mit internationalen Auszeichnungen überhäuft. Doch neben der Musik besitzt Grimaud eine zweite große Leidenschaft. Nach einer ungewöhnlichen Begegnung mit einer domestizierten Wölfin gründete die Star-Pianistin das „Wolf Conversation Center“, wo sie seit zehn Jahren das Sozialverhalten der Wölfe erforscht. Sie liebt es, nachts in Gehege zu gehen und hautnah mit dem Rudel zu leben. Bei „Beckmann“ spricht Hélène Grimaud über ihre faszinierenden Erfahrungen und sagt, was die Menschen von den Wölfen lernen können und warum deren Rückkehr nach Deutschland keine Gefahr bedeutet.

Hélène Grimaud hat vor vier Jahren von den Wölfen in der Lausitz erfahren. Die Nachricht über die Rückkehr habe sie sehr gefreut. Sie sehe Deutschland als Vorreiter in Sachen Naturschutz und hoffe nun, dass andere europäische Länder an diesen Erfolg anknüpfen werden.

Schon lange interessiert sich die Pianistin für Naturwissenschaften. Anfang der 90er Jahre ist sie in Florida das erste Mal einer Wölfin begegnet. „Die Verbindung war so eng“, schwärmt sie bis heute von dieser für sie einmaligen Erfahrung. „Dadurch wurde mein Interesse für die Spezies geweckt und das war die Motivation, das Wolfs-Zentrum aufzubauen.“

30.000 Besucher, so Grimaud, kommen jedes Jahr in das „Wolf Conversation Center“ nahe New York. In den Gehegen könne man das Sozialverhalten der Wölfe beobachten. Aufklärung sei der wichtigste Schritt, um den Menschen die Angst vor den Wölfen zu nehmen. Wenn man deren Hierarchie und Regeln respektiere, gehe von ihnen keine Gefahr aus. Denn der Mensch entspreche nicht dem Beuteschema der Wölfe, die zudem in freier Wildbahn sehr scheu seien.

Im „Wolf Conversation Center“ sucht Grimaud die Nähe zu den Wölfen. „Wenn man Kontakt aufnehmen möchte, dann muss man sich auf die gleiche Ebene begeben, ohne dass man Kompromisse erwarten kann. Und man muss mit Herz und Seele dabei sein.“

Für Grimaud sind Kunst und Natur eng miteinander verflochten. In der Natur lädt sich die Star-Pianistin wieder mit „Ur-Energie“ auf, wie sie es nennt. „Ich brauche die Ruhe, ich brauche dieses Ursprüngliche der Natur, diese Projektes. Das ist gesund für mich.“