Hans-Jochen Vogel und Bernhard Vogel


Ein Brüderpaar, zwei politische Wege – sechs Jahrzehnte lang haben Hans-Jochen Vogel und Bernhard Vogel die bundesdeutsche Nachkriegsgeschichte mit geprägt. Der Ältere, Hans-Jochen, ging früh in die SPD, war Münchens jüngster Bürgermeister und von 1987 bis 1991 Parteichef der Sozialdemokraten. Der Jüngere, Bernhard, machte Karriere in der CDU. Als einziger Politiker war er Ministerpräsident in gleich zwei Bundesländern, zunächst in Rheinland-Pfalz, später dann in Thüringen. Die ungleichen Brüder blicken bei „Beckmann“ gemeinsam auf 60 Jahre deutsche Politikgeschichte zurück und schildern aus der „Vogel-Perspektive“ ihre ganz persönliche Sicht der politischen Entwicklung.

Bernhard Vogel wäre es früher „selbstverständlich lieber“ gewesen, wenn sein Bruder die gleiche Politik wie er selbst vertreten hätte. Doch schnell haben sie gelernt, ihre politischen Ansichten gegenseitig zu respektieren. Bernhard Vogel: „Man muss aufhören zu meinen, man könne den Bruder von der Falschheit seiner Überzeugung noch überzeugen. Und man muss auch im fortgeschrittenen Alter ertragen, dass der Bruder anderer Meinung ist.“

Hans-Jochen Vogel war damals erstaunt, als sein jüngerer Bruder in die CDU eintrat. Aber er habe erst gar nicht versucht, seinen Bruder zu „missionieren“, wie er sagt: „Wir kannten uns gut genug, um zu wissen, dass es vergebliche Liebesmüh gewesen wäre.“

Für Bernhard Vogel stand früh fest, für welche Partei er sich entscheidet. Warum beide Brüder sich politisch engagiert haben, erklärt er so: „Entscheidend ist, dass wir ein Elternhaus hatten, in dem Interesse für Politik vorhanden war. Die Aufgeschlossenheit für die Öffentlichkeit und für das, was passiert und geschieht.“ Ihre unterschiedliche politische Entwicklung erklären sie mit dem Altersunterschied und ihrer persönlichen Lebenserfahrung.

Trotz aller Unterschiede teilen Hans-Jochen und Bernhard Vogel eine gemeinsame Grundüberzeugung: „Diese Bundesrepublik ist bei allen Schwächen und Fehlern eine Erfolgsgeschichte, und es hängt viel davon ab, ob der nachfolgenden Generation Mut gemacht wird, die heute anstehenden Probleme, die ja nicht gering sind, zu lösen.“