Gregor Gysi und Oskar Lafontaine


Der eine war der führende Kopf der PDS, der andere galt lange als das Herz der SPD. Heute sind Gregor Gysi und Oskar Lafontaine das Dreamteam der Linken. Beide hatten sich bereits aus der aktiven Politik verabschiedet, doch bei der Bundestagswahl 2005 feierten sie mit ihrem Ost-West-Bündnis aus Linkspartei und WASG ihr Comeback in der Bundespolitik. Die beiden Fraktionsvorsitzenden der Partei Die Linke ergänzen sich anscheinend perfekt: Auf der einen Seite der rhetorisch geschliffene Analytiker Gysi, auf der anderen Seite der wortgewaltige Instinktpolitiker Lafontaine. Bei „Beckmann“ sprechen die zwei Vorzeige-Linken über ihr politisches Zusammenspiel und persönliche Gegensätze, über ihre Kindheit sowie über ihre politische Zukunft.

Oskar Lafontaine würde zugunsten einer möglichen Koalition mit der SPD auf ein Regierungsamt verzichten. „Wenn es mir gelingt, dazu beizutragen, dass unsere Kernforderungen durchgesetzt werden, dann gehe ich gerne spazieren.“ Er strebe heute nicht mehr nach „hohen Weihen“, sondern wolle „Politik verändern“, sagt Lafontaine an und kritisiert die derzeitige Haltung der SPD zu einer rot-roten Koalition: „Derjenige, der sagt, ich würde ja eine Koalition machen, aber solange diese Nase dabei ist, dann nicht mehr, der setzt sich doch selbst herab, weil er sich als apolitisch erklärt.“

Bereits in seiner Schulzeit, erzählt Lafontaine, habe er für die Schwächeren gekämpft: „Ich habe die Rolle desjenigen übernommen, der in der Gruppe zuständig war für das Fach ‚Durchsetzen’. Wenn ich sah, dass ein schwacher Junge verprügelt wurde, bin ich dazwischen. Ich war ein kleines kräftiges Kerlchen, das muss man schon sagen.“ Was vielen nicht gegenwärtig ist: Lafontaine hat einen Zwillingsbruder, der heute als Rechtsanwalt in Saarbrücken arbeitet. „Unsere Mutter hat uns immer gleich ausstaffiert. Hans und ich gingen auf dieselbe Schule, wir hatten immer dieselben Schulranzen und wir hatten fast dieselben Noten.“ In ihrer Persönlichkeit hätten sich die zweieiigen Zwillinge allerdings unterschieden. „Ich war mehr an Fußball und damals als Heranwachsender auch schon an jungen Mädchen interessiert.“

Seit dem Zusammenschluss von Linkspartei und WASG gelten Gregor Gysi und Oskar Lafontaine als das Traumpaar ihrer Partei. „Politisch sind wir ziemlich gleich, ansonsten sind wir sehr gegensätzlich. Das ist eine wunderbare Mischung“, sagt Gysi und fügt schmunzelnd an: „Einen zweiten Gysi hielte ich nicht aus. Ich bin froh, dass er anders ist.“ Lafontaine stimmt zu: „Wir ergänzen uns. Das ist wie im Sport: Wenn nur einer die Spitze spielt, dann ist die Spitze nicht so stark, als wenn zwei Spitze spielen können. So ist das auch in der Politik.“

Beide zeigen Respekt vor den Fähigkeiten des anderen. Gysi bewundert zum Beispiel Lafontaines Wortgewalt: „Er kann wunderbar reden, er kann sich steigern, er kann dabei auch wieder zurückgehen. Er hat da ein ganzes Repertoire und kennt die politische Schicht der Bundesrepublik Deutschland wie kein Zweiter.“ Lafontaine beneidet Gysi um dessen Humor und Witz. „Den hätte ich auch gerne. Aber leider ist mir diese Gabe nicht verliehen worden.“