Frank Schirrmacher
Er ist so etwas wie das neue Gewissen der Nation. 700.000 Exemplare hat Frank Schirrmacher von seinem Buch „Das Methusalem-Komplott“ verkauft. Monatelang belegte er Platz 1 der Bestsellerliste. Jetzt hat der „FAZ“-Herausgeber ein neues brisantes Buch geschrieben, das mindestens genauso viel Sprengstoff birgt: „Minimum. Vom Vergehen und Neuentstehen unserer Gemeinschaft“. Schirrmachers These: Die Familie hat an Bedeutung verloren. Wir steuern unaufhaltsam auf eine Gesellschaft zu, in der es keine soziale Sicherheit und kein Gemeinschaftsgefühl mehr gibt. Frank Schirrmacher erläutert bei „Beckmann“, warum die Familie in Zukunft wichtiger denn je sein wird und weshalb wir den Zerfall unbedingt stoppen müssen.
Auch wenn Familien „Horrorveranstaltungen“ sein können – für Frank Schirrmacher sind sie auch „Überlebensmaschinen“. Familien seien dafür da, „das Überleben zu gewährleisten. Auf Familien kann man sich in Notsituationen verlassen.“ Freunde hingegen seien wesentlich egoistischer in lebensgefährlichen Situationen. Das hätten viele Beispiele gezeigt.
Da der Sozialstaat immer weniger Sicherheit bieten kann, steigt die Bedeutung der Familie für die Gesellschaft. Der „FAZ“-Herausgeber sieht einen „Teufelskreislauf“ in Deutschland: „Kinder müssen Kinder erleben, um später Kinder zu wollen. Erwachsene müssen andere Erwachsene mit Kindern aufwachsen sehen, um Familien zu wollen.“ Kinder, die ohne andere Kinder in ihrem Umfeld aufwachsen, verspürten später einen weniger ausgeprägten Wunsch nach einer eigenen Familie.
Eine wichtige Rolle misst Schirrmacher dem Fernsehen zu. TV-Serien besäßen für viele Menschen Vorbildcharakter und seien mittlerweile zu Ersatzfamilien geworden. Leider, bedauert der Bestsellerautor, würde das Fernsehen ein falsches Bild transportieren. „Das Fernsehen hat unser Familienbild verändert. Es gibt nur eine normale Familie zu sehen: die ‚Simpsons’.“
Schirrmacher hofft, dass die Wirkung des Fernsehens positiv für die Gesellschaft genutzt wird. „Wenn das Fernsehen als Rollenmodell solch eine Macht hat, dann kann man vielleicht auch andere Geschichten erzählen.“


