Frank Schätzing


Er hat eine Riesenwelle ausgelöst – nicht nur in, sondern auch mit seinem Buch „Der Schwarm“. Der Öko-Thriller über einen Tsunami machte Frank Schätzing auf einen Schlag zu einem der erfolgreichsten deutschen Autoren: zwei Millionen Mal verkaufte sich sein penibel recherchierter Endzeitroman, Hollywood sicherte sich die Filmrechte an Schätzings Katastrophenszenario. Dabei schreibt der Kölner quasi nur im Nebenerwerb: Das Multitalent ist Chef einer Werbeagentur, begeisterter Musiker, Produzent, Komponist, Laienschauspieler und Hobby-Koch. Doch die Faszination der Ozeane lässt den Bestsellerautor nicht los. Jetzt berichtet der Workaholic vom Ursprung allen Lebens. Bei „Beckmann“ sagt Frank Schätzing, warum Mega-Tsunamis keine Ausnahme sind und weshalb er so gerne mit den Haien taucht.

Mit einem „Fass voller Tinte, in das man mit einer winzigen Taschenlampe mal da und mal dort hinein schaut“, vergleicht Schätzing das Meer. „In 200 Meter Tiefe sieht man nix mehr – aber da geht es erst richtig los.“ Der Schriftsteller ist beeindruckt von den skurrilen Lebewesen, die im Laufe der Weltgeschichte die Tiefsee bevölkert haben: In seinem Sachbuch „Nachrichten aus einem unbekannten Universum“ beschreibt er etwa den „anomalocaris“, ein urzeitliches, ca. 540 Millionen Jahre altes Wesen – „der größte Jäger seiner Zeit“. Oder den „Pelikan-Aal“, der in den Tiefen des Meeres sehr Energie sparend haushaltet und sich kaum bewegt – „aber er kann Beute verschlingen, die zwei Mal so groß ist wie er“.

Amüsiert hat Schätzing das Paarungsverhalten der „Anglerfische“, die in Tiefen ab 500 Meter leben: „Das kleine Männchen saugt sich am viel größeren Weibchen fest und tut fortan nichts anderes, als es zu begatten.“ Mit einem Meeresbewohner, für den sich der fasziniert lauschende „"Beckmann“-Gast Max Greger besonders interessieren würde, kann der Literat indessen noch nicht aufwarten: Der Bandleader kennt wohl den Trompetenfisch, würde sich aber einen Saxofonfisch wünschen. Seine Aufforderung an Schätzing: „Suchen Sie weiter!“.

Auf die Suche begibt sich der Bestsellerautor sowieso mit Vorliebe – die Erdgeschichte ist für den Kölner „spannend wie ein Thriller“. In seinem Endzeitroman „Der Schwarm“, an dem sich Hollywood die Filmrechte gesichert hat, lässt er Meeresorganismen Riesenwellen auslösen – das Buch erschien noch vor dem verheerenden Tsunami in Asien. „Mit prophetischen Gaben hat das nichts zu tun. Das ist natürlich Quatsch.“ Der Tsunami gehört zu den geologischen Alltagsphänomenen: „Das ist ein Ereignis, das immer wieder aufgetreten ist und immer wieder auftreten wird.“

Auch mit dem Klischee der Menschen jagenden Haie räumt Schätzing auf. „Weltweit sterben jährlich zehn bis zwölf Menschen durch Haie, aber ungefähr 200 Millionen Haie durch Menschen. Jeder Schäferhund ist gefährlicher. Wir gehören schlicht und einfach nicht in das Beutespektrum der Haie.“ Ein überraschendes Zeugnis stellt der Experte Tintenfischen und Delfinen aus: „Tintenfische gelten gemeinhin als die intelligentesten Tiere der Meere, Delfine werden maßlos überschätzt – sie sind ungefähr so intelligent wie Pudel.“