Eliette von Karajan
31 Jahre lang war sie die Frau an der Seite des bedeutendsten Dirigenten des 20. Jahrhunderts – Herbert von Karajan. Niemand war ihm näher als Eliette von Karajan. Nach seinem Tod im Jahr 1989 hat sie sich weitgehend aus der Öffentlichkeit zurückgezogen. Bei „Beckmann“ spricht sie in ihrem ersten TV-Interview über ihr Leben mit dem Jahrhundert-Genie Karajan, der am 5. April 2008 seinen 100. Geburtstag gefeiert hätte.
Außerdem zu Gast: Ewald Markl, ein langjähriger Freund von Herbert von Karajan, sowie Karajans Tochter Isabel, die ihre ganz persönlichen Erinnerungen an den Ausnahmedirigenten schildern.
„Ich war fast noch ein Kind“, schildert die damals 18-jährige Eliette ihr erstes Treffen mit dem mehr als drei Jahrzehnte älteren Karajan in Saint-Tropez. Der weltberühmte Dirigent lud das französische Model zu einer Partie Minigolf ein. Später tanzten sie gemeinsam durch die Nacht – obwohl er „nie richtig tanzen konnte“, verrät Eliette.
Aufgrund des großen Altersunterschieds glaubte fast jeder an eine kurze Liaison. Doch Eliette behauptet sich neben dem eigenwilligen Maestro, taucht ein in die Welt der Musik, begleitet ihn zu fast all seinen Konzerten und jettet mit ihm um die Welt. Zum Freundeskreis der Karajans zählten Persönlichkeiten wie Greta Garbo, Romy Schneider sowie Helmut und Loki Schmidt. Gemeinsam haben sie zwei Töchter, Isabel und Arabel.
Bis zuletzt bleibt Eliette Karajans große Liebe. „Ich liebe dich“ lauteten seine letzen Worte. Sichtlich bewegt schildert Eliette den Moment, als Karajan 1989 Abschied von ihr nahm. „Er hat mich angeschaut und ich habe ihm schnell ein Glas Wasser gegeben. Er hat seinen Bleistift fallen lassen und mich plötzlich angeschaut – mit seinen schönen blauen Augen. Dann ist er in meinen Armen gestorben.“
Bis heute lebt sie in ihrem gemeinsamen Haus in Anif bei Salzburg. Nichts hat sie seither dort verändert. „Er ist für mich mein Schutzengel. Ich glaube, er wird mich nie verlassen, denn er hat mich nie wirklich verlassen“, sagt die 68-Jährige über ihren verstorbenen Mann. „Die Zimmer sind bereit, um ihn noch einmal zu empfangen. Das ist mein Glaube, meine Fantasie. Er ist zwar nicht als Person da, aber er ist da – überall.“
Isabel Karajan überrascht ihre Mutter bei „Beckmann“, Eliette wusste nichts von ihrem Kommen. Liebevoll erinnert sich die 47-Jährige an ihren Vater und erzählt, wie sehr sie ihn bis heute vermisst: „Manchmal bin ich fast wütend, dass er nicht mehr da ist. Ich würde manchmal einfach gerne noch Dinge mit ihm besprechen, ihn um Rat fragen, seine Meinung hören. Wir haben einfach nicht genug Zeit gehabt.“ Für die Schauspielerin ist ihr Vater ein wichtiger Teil ihres Lebens: „Ich spreche manchmal mit ihm, versuche, in mich rein zu hören und frage mich, was würde er jetzt sagen? Oft bekomme ich auch Antwort – vielleicht bilde ich mir das ein, aber es hilft mir.“
Ewald Markl hat lange mit Herbert von Karajan zusammen gearbeitet, war ein wichtiger Wegbegleiter des Dirigenten. „Das Spannende bei Herbert von Karajan war, dass seine Proben genauso aufregend waren wie seine Konzerte“, erinnert er sich. „Sie hatten eine unglaubliche Intensität.“ Auch heute noch sei Karajan in der Musikbranche so präsent, „als würde er morgen seine neueste Veröffentlichung persönlich präsentieren“.



