Dr. Werner Bartens
Er ist Arzt, Historiker und Autor zahlreicher Sachbücher. Bei „Beckmann“ spricht Werner Bartens über Missstände im Gesundheitssystem, über medizinische Behandlungsfehler und verrät, wie Arzt und Patient sich wieder besser verstehen.
Bartens kritisiert, dass bereits während des Medizinstudiums die Bedürfnisse der Patienten zu wenig berücksichtigt werden. Fächer wie Psychologie, Psychiatrie und Psychosomatik würden vernachlässigt, was in der Praxis oft fatale Folgen habe. „Leider gibt es Ärzte, die ihre Patienten schlecht behandeln und damit die Medizin mit Füßen treten.“ Bartens wundert sich, wie „aus jungen, idealistischen Medizinstudenten innerhalb kürzester Zeit arrogante, zynische Assistenzärzte werden können“. Er kritisiert die Unsensibilität in vielen Krankenhäusern – und spricht sich selbst nicht frei. Einmal habe ihn eine besorgte Patientin mit einer eher harmlosen Krankheit gefragt, ob sie jetzt sterben müsse. „In einer Mischung aus Blödheit und Arroganz habe ich gesagt: Sterben müssen wir alle mal.“ Später habe er sich für seine flapsige Antwort entschuldigt. „Sie hatte offenbar Todesangst, und ich habe es nicht bemerkt und mich nicht auf ihre Ebene eingelassen.“
Nach Bartens’ Ansicht krankt häufig die grundsätzliche Kommunikation zwischen Arzt und Patient. „Das Schlagwort vom mündigen Patienten ist auf fachlicher Ebene eine Illusion. Ärzte unterbrechen ihre Patienten nach 15 Sekunden und sagen: ‚Kommen Sie mal auf den Punkt.’“ Gerade von Organmedizinern sei häufig Herablassung zu spüren, wenn es um psychische Probleme geht. Die Missstände, die er in seinen Büchern anprangert, seien nicht ausgedacht, sondern bittere Realität.
Der Wissenschaftsjournalist will eine Diskussion in Gang bringen: „Ich versuche nicht nur anzuklagen, sondern konstruktive Hinweise zu geben.“ Von vielen Ärzten erhalte er zustimmende Briefe: „Endlich sagt’s mal jemand, bei uns in der Klinik ist es noch viel schlimmer.“ Was sollte ein Kranker unbedingt beachten? „Fragen Sie den Arzt, ob er die Behandlung bei sich selbst durchführen würde“, rät Bartens und fügt an: „Das Wichtigste ist: Wenn man einem Arzt vertraut, dann bleiben Sie bei ihm.“

