Dr. Silvana Koch-Mehrin
Sie gilt als streitbare Powerfrau und hat einen politischen Blitzstart hingelegt. Bereits mit 33 Jahren war Silvana Koch-Mehrin FDP-Spitzenkandidatin bei der Europawahl 2004 und führte ihre Partei nach zehnjähriger Abstinenz in das EU-Parlament zurück. Die zweifache Mutter will zeigen, dass sich Familie und beruflicher Erfolg miteinander vereinbaren lassen, und scheut dabei auch nicht den telegenen Tabubruch: Als erste deutsche Politikerin präsentierte sie vor der Geburt ihrer zweiten Tochter selbstbewusst ihren nackten Babybauch. Jetzt spricht Silvana Koch-Mehrin bei „Beckmann“ darüber, warum für sie die Zeit reif ist für einen neuen Feminismus.
Silvana Koch-Mehrin kämpft für das Recht aller Frauen, sich sowohl in der Familie als auch im Beruf zu verwirklichen. Sie nennt eine Reihe Gründe, warum in ihren Augen der Begriff ‚Rabenmütter’ etwas Positives ausdrückt: „Weil sie nicht überbehüten, weil sie ohne Reue Job und Kinder vereinbaren, weil sie sagen, sie möchten einen Mann, der sich auch um die Kinder kümmert und den sie auch an die Kinder lassen.“ Der Beruf sei mehr als nur Geldverdienen, so die Politikerin, er sei ein Teil des Lebens.
Sie selbst habe nach der Geburt ihrer zwei Kinder bewusst keine dreijährige Mutterschaftspause eingelegt: „Mit Sicherheit wäre ich sonst nicht da, wo ich jetzt bin, denn drei Jahre sind eine sehr lange Zeit“, sagt Koch-Mehrin. Für Frauen sei es ein Problem, dass die berufliche Start-up-Phase oft parallel zur familiären Start-up-Phase verlaufe. „In der Zeit, in der man eigentlich die ersten wichtigen Karriereschritte machen kann, ist man schwanger. Drei Jahre auszusetzen hätte für mich bedeutet, dass ich wieder von vorne hätte anfangen müssen.“
Nur zehn Tage nach der Geburt ihres ersten Kindes nahm Koch-Mehrin bereits am Parteitag der FDP teil. Das sei für ihre Psyche sehr wichtig gewesen. Wie viele andere Mütter litt auch sie am sogenannten ‚Baby-Blues’. Sie hatte damals das Gefühl: „Mein ganzes Leben, so wie ich es bisher hatte, bricht jetzt zusammen. Ich bin jetzt nur noch ans Haus gebunden und habe eine wahnsinnige Verantwortung für das Kind, welches völlig abhängig ist von dir.“
Sie habe immer sehr viel Freude am Studium und ihrer Arbeit gehabt, so Koch-Mehrin, „das wollte ich nicht aufgeben.“ Jeder müsse für sich selbst herausfinden, was wichtig im Leben ist. Als berufstätige Mutter müsse sie sich heute ihr knappes Zeitkontingent gut einteilen und deshalb auf manches frühere Hobby verzichten. Leider käme sie kaum noch zum Sport oder ins Kino, meint sie bedauernd bei „Beckmann“.
