Dr. Ruth Westheimer
Seit 30 Jahren nimmt sie kein Blatt vor den Mund: Mit ihrer Radio- und TV-Sendung „Sexually Speaking“ wurde Ruth Westheimer zu Amerikas populärster Sexualtherapeutin. Ihr unverblümter Humor hat sie zu einer Institution in Sachen Aufklärung gemacht. Heute ist „Dr. Ruth“ weltweit ein Markenzeichen – auch mit 79 Jahren zählt sie immer noch zu den gefragtesten Dozentinnen an amerikanischen Elite-Universitäten und erobert sogar seit kurzem die junge MTV-Generation mit ihrer eigenen Ratgebershow im Internet. Bei „Beckmann“ sprach die gebürtige Frankfurterin über Trends und Tabus – und beantwortete erstmals live im deutschen Fernsehen Zuschauerfragen zum Thema Nummer eins.
Für „Dr. Ruth“ ist Sex ein „fantastisches Thema“. Doch auch wenn man es ihr nicht unbedingt anmerke – eigentlich sei sie altmodisch. „Ich will, dass Leute heiraten. Ich will, dass sie Kinder erziehen. Ich spreche sehr offen über die Sexualität, aber ich will auch über das Zwischenmenschliche sprechen.“ Die 79-Jährige hat ein offenes Bild von Sexualität: „Alles, was einen anmacht, ist in Ordnung.“ In der Phantasie sei vieles erlaubt, allerdings brauche und dürfe man seinem Partner nicht jeden Gedanken verraten. „Seid diskret“, rät „Dr. Ruth“, „denn sexuelle Erregung kann in manchen Fällen auch Angst machen.“ Ansonsten sei alles erlaubt, was keinem „weh tut“. Als „Katastrophe“ bezeichnet die Aufklärerin den Schönheitswahn, dem immer mehr Menschen verfallen. Eigentlich gehe es dabei um das Bedürfnis nach Liebe. Und wenn sich nach einer Schönheitsoperation dieser Effekt nicht einstelle, entstünden schnell psychische Probleme. „Es gibt Leute, mit denen will ich mich nicht unterhalten, weil die überhaupt keinen Ausdruck im Gesicht haben. Da ist alles so stramm gezogen, man kann überhaupt nicht merken, ob die sich gerade über irgendetwas ärgern.“ Wer sich den Spaß an Sexualität erhalten möchte, sollte nach Ansicht von „Dr. Ruth“ Unfragen und Statistiken nicht ernst nehmen. Vergleiche mit anderen ängstigen die Menschen. Auch im Alter sei es wichtig, „sexuell interessiert“ zu bleiben. „Die Hauptsache ist, nicht aufzugeben“ und „das Verlangen aufrecht zu erhalten.“ Trotz ihres Alters denkt die Sexualratgeberin noch lange nicht ans Aufhören: „Ich mach weiter, so lange man mir zuhört!“

