Der Rosenmontag-„Comedy-Gipfel“


Seit fünf Jahrzehnten zählt er zu Deutschlands erfolgreichsten Komödianten: Dieter Hallervorden ist das große Vorbild vieler Comedians. Mit der Kultserie „Nonstop Nonsens“ hat er in den 70er Jahren Fernsehgeschichte geschrieben, und bis heute ist sein Theater „Die Wühlmäuse“ das Karriere-Sprungbrett für zahlreiche Kabarettisten und Komiker.

Bei „Beckmann“ treffen sich die Comedy-Stars Johann König, Guido Cantz, Rick Kavanian, Cindy aus Marzahn, Erkan & Stefan und – natürlich – Dieter Hallervorden zum großen „Comedy-Gipfel“. Der 71-jährige Hallervorden gilt als „Gottvater der Comedy“. Sein Alter nimmt er mit Humor: „Eigentlich finde ich es nicht schlimm, wenn man 70 wird – eigentlich ist es schlimm, wenn man es nicht wird...“ Für Rick Kavanian, der den Durchbruch in der „Bully-Parade“ und mit dem Kinofilm „Der Schuh des Manitu“ schaffte, war Hallervorden ein frühes Vorbild.
Noch gut erinnert er sich noch an die Fernsehabende mit „Nonstop Nonsens“. „Das war immer ein Familien-Happening und wirklich die einzige Sendung, wo wir mit Vater, Mutter und Großmutter vor dem Fernseher saßen und gemeinsam gelacht haben. Das war wirklich etwas Besonderes.“ Auch Johann König ist von „Didi“ beeinflusst: „Ich wollte immer gern so hibbelig werden“ sagt der Stoiker und schmunzelt darüber selbst bei diesem Gedanken.

Ob Grieche, Amerikaner, Tscheche oder Oberbayer – Rick Kavanian schlüpft in viele Rollen. Er erklärt sich seine besondere Fähigkeit dadurch, dass bei ihm zuhause viele Sprachen gesprochen wurden. „Ich glaube, die Sprache ist der Zugang zu den Figuren.“ Er lernte Rumänisch von seinen Eltern, Armenisch von seiner Großmutter, Englisch und Deutsch in der Schule. Wenn sich allerdings seine Eltern auf Französisch unterhielten, wusste Ricker gleich: „Es geht um mich und sie erzählen jetzt irgendwas, was ich nicht verstehen darf.“ Noch heute könne er es deshalb nur schwer ertragen, wenn Menschen in seiner Gegenwart Französisch sprechen.

Vor 15 Jahren startete die Karriere von Guido Cantz im Kölner Karneval. „Da ist man sechs Wochen sehr eingespannt, fängt morgens an und hat bis zu zehn, zwölf Auftritte pro Tag.“ Das mache zwar viel Spaß, doch sei körperlich sehr anstrengend, „weil man funktionieren muss und immer wieder ein neues Publikum hat“. Während Cantz zu den alten Hasen im Comedy-Geschäft zählt, ist Cindy aus Marzahn erst seit kurzem dabei.
Letztes Jahr erhielt sie in Hallervordens Wühlmaus-Theater einen Publikumspreis, mittlerweile ist sie auch bundesweit bekannt. Die schwergewichtige Berlinerin leidet nach eigener Aussage unter „Alzheimer-Bulimie“, einer bisher eher unbekannten Krankheit: „Bei mir ist das Problem, ich fresse den ganzen Tag und vergesse dann abends zu ko....“ Ein ganz anderes Problem sieht Erkan, Teil des Comedy-Duos Erkan & Stefan. Er hält Comedians in Deutschland für unterschätzt. „In Amerika ist das anders. Tom Hanks oder Robin Williams kommen auf ‚ne Bühne und machen Comedy, spielen aber auch todernste Sachen.“ Auch er möchte sich jetzt verstärkt der Schauspielerei widmen. „Ich schauspielere gern. Und ich will jetzt einfach mal einen Killer oder einen Detektiv spielen“, verrät er bei „Beckmann“.
Dieter Hallervorden äußert sich skeptisch über die Ausdrucksmöglichkeiten einiger Comedians. Es gebe sehr viele Leute, die „sich eigentlich privat auf die Bühne stellen, sehr lustige Fressen ziehen können, 15 komische Sprüche draufhaben, aber eigentlich zu 80, 90 Prozent sich selber spielen“. Den Schauspielberuf hält Hallervorden für oft überschätzt. „Ich finde, dass Schauspieler keine Künstler sind, weil sie ja nicht vorrangig kreativ tätig sind.“ Kreative Menschen seien für ihn Maler, Bildhauer oder Schriftsteller. „Schauspieler sprechen meistens nur noch Texte, die andere geschrieben haben, und lassen sich dann noch vom Regisseur vorschreiben, wie sie es zu sprechen haben. Das verstehe ich nicht unter Künstler.“