Dagmar und Tilman Neubronner


Sie sind Deutschlands bekannteste „Homeschooling“-Familie. Seit zweieinhalb Jahren entziehen Dagmar und Tilman Neubronner ihre Söhne der gesetzlichen Schulpflicht und unterrichten Thomas (8) und Moritz (10) zu Hause. Die Bremer wehren sich nicht aus Prinzip gegen das staatliche Schulsystem, sondern wollen nach eigenen Angaben lediglich ihre Kinder nicht gegen deren Willen zum Schulbesuch zwingen. Nun liegen sie deshalb im Clinch mit den Behörden: Ein Antrag auf Schulpflichtbefreiung wurde abgelehnt, die Familie flüchtete aus Angst vor Sorgerechtsentzug sogar ins Ausland. Jetzt sprechen Dagmar und Tilman Neubronner bei „Beckmann“ über ihre ungewöhnlichen Lehrmethoden und erklären, warum sie „Homeschooling“ als Alternative zum Klassenzimmer sehen.

Dagmar und Tilman Neubronner haben, wie sie sagen, oft versucht, ihren Söhnen Spaß am Schulbesuch zu vermitteln. Doch bald war klar: „Sie gehen nicht in die Schule, weil sie sich dort nicht wohl gefühlt haben, sie zu Hause sehr viel besser lernen und weil sie so gelitten haben, dass wir uns dieses Elend irgendwann nicht mehr mit angucken konnten.“ Seit ihr Sohn Moritz nicht mehr zur Schule gehen müsse, berichtet Dagmar Neubronner, habe er sich zum Positiven entwickelt und zeige jetzt wieder „viel mehr Kraft und Freude“.

Als die Neubronners mit dem „Homeschooling“ anfingen, orientierten sie sich noch weitestgehend am Unterrichtsablauf regulärer Schulen. Schnell hätten sie jedoch festgestellt, dass dies „eine Verschwendung von Ressourcen“ sei. Jetzt lassen sie ihre Kinder an ihren „eigenen Projekten“ forschen, erklärt Dagmar Neubronner: „Moritz schreibt beispielsweise heute eine Sportreportage, weil ihn das interessiert und er sich außerdem diesbezüglich bewerben will.“ Bei der Umsetzung dieser selbst gewählten Aufgabe erlerne er quasi nebenbei Rechtschreibung, den richtigen Umgang mit Sprache sowie die Arbeit mit einem Computer. Die Neubronners beschreiben ihre Lehrmethoden so: „Wir machen im Grunde nichts anderes, als ihm das zur Verfügung zu stellen, was er an Bildungsmöglichkeiten braucht.“