Dagmar Koller und Helmut Zilk
Sie ist die First Lady der Operetten- und Musicalwelt, er gilt bis heute als Wiens populärster Bürgermeister – zusammen haben Dagmar Koller und Helmut Zilk Glanz und Glamour auf das politische Parkett gebracht. Seit fast dreißig Jahren sind sie verheiratet – und nach schweren Schicksalsschlägen unzertrennlich. Erst vor wenigen Monaten überlebte Helmut Zilk nur knapp eine schwere Herzoperation und lag wochenlang im künstlichen Koma. Eine Spätfolge des Briefbombenattentats von 1993, bei dem der Politiker drei Finger seiner linken Hand verlor. Damals wie heute war es Dagmar Koller, die ihrem Mann in allerletzter Sekunde das Leben rettete. Jetzt berichtet das Paar bei „Beckmann“ von den bangen Wochen im Frühjahr.
„Ich war eigentlich schon im Jenseits, während der Operation bin ich mehrmals reanimiert worden“, erzählt Zilk. Doch Koller kämpfte aufopferungsvoll um das Leben ihres Mannes, Tag und Nacht war sie an seinem Krankenbett. Zilk vertritt ein klare Meinung: „Ich möchte nicht als Pflegefall überleben – da möchte ich lieber tot sein. Man muss sich mit dem Tod befreunden und abfinden und sagen können: Es ist eben einfach aus. Aus dieser Philosophie heraus habe ich gesagt, ich will nicht mehr leben. Nur sie hat mich nicht gelassen.“
Wenige Tage nach der Herzoperation versetzten die Ärzte Zilk für fast fünf Wochen in ein künstliches Koma. Nach der Operation hatte er sich die Schläuche weggerissen, sein Zustand hatte sich dramatisch verschlimmert. Zilks Lunge und Nieren hatten ausgesetzt. Seine letzten Worte vor dem Koma zu Dagmar Koller: „Ich muss jetzt sterben.“ Ohne zu wissen, ob er sie überhaupt hören oder spüren kann, sprach sie ihm Mut zu, hielt seine Hand und spielte ihm seine Lieblingsmusik vor. „Ich habe mich selbst bestärkt: Nein, ich lasse ihn nicht los. Ich war ja leider immer allein. Ich habe ja keine Kinder, keine Familie, ich hab nur ihn. Und er ist in meinem Leben der wichtigste Mensch.“
Nach dem Aufwachen aus dem Koma habe er „bezweifelt, dass es überhaupt wieder gut wird“, sagt Zilk bei „Beckmann“ und gibt zu, dass er an Sterbehilfe gedacht hat: „Was ich noch nie gesagt habe, auch meiner Frau bis heute nicht: Ich habe meinen Sohn, der aus Südafrika kam, angefleht, mir auf jeden Fall was mitzubringen, damit ich selbst entscheiden kann, ob ich weiterlebe. Das habe ich noch nie erzählt, heute das erste Mal.“
Dagmar Koller ist überrascht: „Um Gottes Willen – schrecklich.“ Wenn ihr Mann tatsächlich gestorben wäre, hätte sie ihr Leben radikal verändert: „Ich hätte nicht ohne ihn weiterleben wollen. Ich glaube, ich hätte nicht die Kraft und bin auch nicht der Mensch, der sich umbringt. Ich wäre weit weg von Österreich gegangen. Nachdem ich Kollegen an Aids verloren habe, weiß ich, wie schwer diese Krankheit ist. Die brauchen die Hilfe und die Liebe, und das hätte ich dann gemacht.“
Kommendes Jahr feiert Helmut Zilk seinen 80. Geburtstag und schaut positiv in die Zukunft: „80 ist eine Grenze, an der man sagen muss: Jeder Tag ist ein Geschenk Gottes. Dennoch darf man nicht aufgeben und muss sich Ziele setzen.“

