Dagmar Berghoff, Jo Brauner und Wilhelm Wieben


Sie sind die Ikonen der gehobenen Sprachkultur. Jahrzehntelang haben die früheren „Tagesschau“-Sprecher Dagmar Berghoff, Jo Brauner und Wilhelm Wieben immer die richtigen Worte gefunden, nie hat es ihnen die Sprache verschlagen. Was sie sagten, war Grammatikgesetz. Doch jetzt kommen den drei Nachrichtenlegenden plötzlich ganz neue Wörter über die Lippen und sie sorgen mit ihrer aktuellen Lesereise für Furore. Unter dem Motto „Sprechen sie Gegenwart“ präsentieren sie nicht ganz bierernst den skurrilen Jargon von heute. Bei „Beckmann“ sprechen Dagmar Berghoff, Jo Brauner und Wilhelm Wieben über ihre neumodischen Lieblingswörter und über das Älterwerden.

Vor ihrer Lesereise erging es den drei ehemaligen „Tagesschau“-Sprechern wie den meisten Menschen: Neudeutsche Wörter, wie z.B. „Arschgeweih“, sagten ihnen nichts. Die teilweise absonderlichen Bedeutungen haben sie überrascht. Jo Brauner nennt als sein persönliches Unwort des letzten Jahres „Hoppel-Heide“ – ein despektierlicher Begriff für Heide Simonis. Auch wenn ihnen nicht alle Wörter gefallen – die Erläuterung in gewohnt perfekter Aussprache bereitet allen Dreien großes Vergnügen.

Auch wenn ihnen der Abschied von der „Tagesschau“ zunächst schwer fiel – heute genießen Berghoff, Brauner und Wieben ihr Leben. An Popularität habe er nichts eingebüßt, denn die heutige Generation der 30-Jährigen sei quasi mit seinem Gesicht aufgewachsen, so Wieben: „Wir haben in einer Zeit angefangen, in der es maximal zwei Programme gab.“

Für die 64-jährige Dagmar Berghoff ist ihr kalendarisches Alter kein Problem, eigentlich fühle sie sich zwanzig Jahre jünger. Wilhelm Wieben hingegen ist sich seines Alters sehr bewusst. Obwohl er gesund sei, wisse er, dass seine Zeit langsam ablaufe. Deshalb versuche er jetzt, jeden Tag zu genießen. „Ich mache nur noch das, was mir Freude macht, wozu ich Lust habe, und ich gehe sorgfältig mit Menschen um, die mir wertvoll sind.“

Der 71-Jährige empfindet eine neue Art der Heiterkeit, die er mit der Musik von Mozart vergleicht. Auch sie sei voller Heiterkeit und beruhe auf der Erkenntnis: Alles ist endlich. „Das muss man nicht mit tiefer Depression zur Kenntnis nehmen, sondern es gibt ein Wort, das ich wirklich gerne benutze: Demut.“

Dagmar Berghoff sieht sich selbst in einer anderen Lebensphase als ihr älterer Ex-Kollege. Sie sei derzeit noch viel hektischer und arbeite noch immer sehr gern, sagt sie bei „Beckmann“. Doch Wiebens Ruhe beeindruckt sie sehr. „Ich hoffe, dass ich da auch mal hinkomme, mit dieser Gelassenheit die Jahre zu genießen. Irgendwie denke ich darüber noch nicht nach.“

Auch Jo Brauner, 69, denkt über das Alter nach. „Wenn man die 60 überschritten hat, wird einem klar, dass man bestimmte Tätigkeiten noch machen kann – aber im Gegensatz zu früher fällt einem manches schwerer.“